Im Film „Der neunte Tag“ erzählt Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff die Geschichte von Abbé Jean Bernard, einem luxemburgischen Priester, der 1941bis 1942 im „Pfarrerblock“ des Konzentrationslagers Dachau inhaftiert war und während dieser Zeit einen „Urlaub“ von zehn Tagen erhielt – ein höchst ungewöhnlicher Umstand, der sich bis heute nicht aufgeklärt hat. Bislang hat der Film noch keinen Verleih in Österreich gefunden und es ist unklar, ob und wann er bei uns anläuft.
Doch wer sich trotzdem mit der Geschichte von Bernard auseinander setzen will, kann die Grundlage des Filmdrehbuches lesen: Bernards sofort nach der Befreiung geschriebenen Erinnerungen, die 1945 erstmals veröffentlicht wurden. Sehr knapp, tagebuchartig und ohne Schnörke berichtet der Autor darin von den Grausamkeiten der SS und der Lagerstruktur, von KZ-Strafen, dem Zusam- menleben der Priester und evangelischen Pfarrer in den Pfarrerblocks, dem Krankenrevier, dem Tod und der Folterung von Häftlingen, aber auch von den wenigen Möglichkeiten priesterlichen Dienstes an den Leidensgenossen. Das Buch erspart nicht die generelle Auseinandersetzung mit den Terrorinstrumenten der Nationalsozialisten, schon gar nicht mit der Schoah. Aber es gibt einen Einblick, wie ein Priester seine KZ-Haft er- und überlebte.
Jean Bernard: Pfarrerblock 25487. Dachau 1941–42. Éditions Saint Paul ISBN 2-87963-286-2, 4. Auflage, Luxembourg 2004, Preis ca. 12,– Euro.