VOEST-Pfarrer Rupert Grranegger (2 von rechts) mit seinen Arbeitskollegen.
„Ich glaube, dass es gut ist, dass es in Österreich wieder einen Arbeiterpriester gibt“, sagt VOEST-Pfarrer Rupert Granegger. Seit zwei Monaten ist er als Wartungsarbeiter in der VOEST mit einer halben Beschäftigung angestellt.
Am Sonntag, 5. Dezember 2004 lädt die Christliche Betriebsgemeinde VOEST (cbv) um 11 Uhr zur jährlichen „Barbarafeier“ in die Kirche am Bindermichl in Linz ein. Sie hat ein russisches Sprichwort zum Motto: „Schau der Furcht in die Augen, und sie wird zwinkern“. Der Gemeinde geht es um den Mut zum Engagement. „Vor der Zukunft nicht wie der Hase vor der Schlange zu erstarren.“
Ermutigungen
Rupert Graneggers Entschluss, halbtags in der VOEST Wartungsarbeiten für Kleinklimaanlagen zu verrichten, keimt in diesem Mut, Dinge anzugehen. Was macht ihm Mut? – Viele kleinen Schritte hin zu positiver Veränderung. Das gemeinsame Engagement, das auch experimentiert und sich gewiss sein kann, dass einmal etwas schief gehen darf. „Weil das besser ist, als wenn gar nichts passiert.“ Trotz der Entsolidarisierung gibt es Gegenströme: Gruppenbildung, Solidarität, Einsatz auch in kurzfristigen Projekten. Das alles wertet Granegger als ermutigende Zeichen, dass viel möglich ist.
Kontakte pflegen
Ein Priester wird Arbeiter, um beim Hackeln jenen Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen pflegen zu können, „den ich mir als Betriebsseelsorger wünsche“. Könnte dieses An-die-Basis-Gehen auch ein Rezept für die Manager sein? „Durchaus“, sagt Granegger. „Mir ist schon klar, dass es viele Rollen gibt, die zu erfüllen sind. Es gibt auch die Leitungsfunktion – die leider oft nicht erfüllt.“ – Aber es würde sich durchaus bezahlt machen, wenn, zeitlich begrenzt, Leute der Führungsebene mit den kleinen Leuten mitarbeiten.Granegger kann seine Arbeit blocken. Er ist drei Tage in der Woche an seinem Arbeitsplatz. Er bekommt unmittelbar mit, was die Probleme sind, die die arbeitenden Menschen bewegen – vor allem Beziehungsprobleme und Arbeitsplatzsorgen. Könnte man das am Stammtisch nicht auch mitbekommen? – So unmittelbar nicht, sagt er.
Auf der Suche
Wenn in Zeiten des Priester- und des Arbeitsplatzmangels ein Priester einer Fabriksarbeit nachgeht, könnte es ja auch Kritik geben. Etwa: Er soll lieber ausschließlich Priester sein. Oder: Er nimmt jemandem eine Arbeit weg. „Kritik wird kommen“, ist sich Granegger sicher. „Es geht mir um die Güterabwägung. In der VOEST sind wir derzeit in einer Phase, in der sehr viele Leute gebraucht werden.“ Es gibt eher die Angst, nicht genügend Fachkräfte zu bekommen. Seelsorge müsse suchen, wie sie ihre Aufgabe gut machen kann. „Arbeiterpriester ist ein Ausdruck dieser Suche. In Zeiten des Priestermangels zu sagen, die Priester gehören alle in die Pfarren, ist mir zu eng“, sagt Granegger. Er weist darauf hin, dass in der Betriebsseelsorge auch viel der bekannten Seelsorgearbeit geschieht. So war er zum Beispiel bei 17 Hochzeiten Traupriester. Und es gab mehr Tauffeiern als in mancher kleinen Pfarre.