Gaudete! Diesen Beinamen trägt der kommende dritte Adventssonntag. „Freut euch!“ bedeutet das übersetzt. Am selben Sonntag sammelt die Katholische Männerbewegung für ihre Entwicklungsanliegen. Das wird nicht alle freuen. Wird man nicht im Advent schon genug angebettelt? Kommt die Zeit vor Weihnachten nicht ohnehin schon teuer genug, wenn man an all die Weihnachtswünsche denkt, die erfüllt werden wollen?
Das Spannungsfeld liegt offen. Es ist eine Grundspannung des Lebens insgesamt. Woher hofft jemand, dass die Freude kommt? Jener Anteil an Freude, den man verspürt, wenn man etwas für sich genießen kann, ist nur die eine Seite – und vielleicht vermutlich nicht die erfüllendste. Es gibt eine andere Seite: Dass jemand sich selbst, seine ganzen Fähigkeiten zum Tragen bringt – und das nicht nur für sich selbst, sondern für andere. Am Sonntag der Freude an die Armen zu denken trübt daher nicht das Fest. Es lädt ein, über sich selbst hinauszuwachsen und einer anderen Art Freude die Tür zu öffnen.
Es ist ein Glück, einem Menschen zu begegnen, der aus solcher Freude lebt. Nicht mehr der Wunsch und die Lust, selbst zu genießen, steht dann im Vordergrund. Das Leben wird zum Dasein für andere. Darin liegt die eigentliche Kraft des Glaubens: dass jemand über sich und seine Bedürfnisse hinauswächst. Echte Freude kann man sich nicht verschaffen oder kaufen. Sie stellt sich ein. Wo ein Mensch im Unglück lebt, wird ein anderer kaum glücklich sein. Freude will geteilt sein. Auch am Sonntag Gaudete.