Immer mehr Menschen suchen Hilfe – Mit dieserMeldung gingen Krisendienste an die Öffentlichkeit. Auch immer mehr Jugendliche geraten in psychische Not.
Monika Czamler, Leiterin des psychosozialen Notdienstes von „pro mente“ Oberösterreich, kann zwar auf keine eigenen Statistiken zurückgreifen, doch auf reiche Erfahrung: Auch bei den Jugendlichen nehmen krisenhafte Situationen zu. Suizidgefahr oder Mißbrauchserlebnisse sind oft Anlass für Jugendliche, sich an „pro mente“ zu wenden.
Die Institutionen der psychosozialen Versorgung in Oberösterreich sehen sich alle-samt mit steigenden Anfragen und Kient/innenzahlen konfrontiert. Vor allem die Mitarbeiter/ innen der Not- und Krisendienste fühlen sich als „Endstation“ ungelöster Probleme im Sozialbereich. Die Anfragen werden mehr, die Auslastung ist hoch, Wartelisten und Abweisungen bei allen Sozial- und Gesundheitseinrichtungen sind nichts Außergewöhnliches.„Jugendliche tun sich ganz, ganz schwer, mit schwierigen Situationen umzugehen. Diese bringen sie relativ schnell an die Grenze ihrer Handlungsmöglichkeiten“, sagt Czamler. Die Jugendlichen machen dann dramatisch auf sich aufmerksam.
„Krisen haben keine Dienstzeit, die Betroffenen können nicht warten“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Sozialverein B37, EXIT-sozial, Frauenhaus Linz und „pro mente“. Akut- und Krisendienste sind letzte Auffangstationen. Die sozialen Bedingungen werden von den Krisenzentren als Ursache für gestiegene Zahlen Verzweifelter genannt. So nahm die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren zu und die Anforderungen am Arbeitsmarkt steigen. Zehn Prozent aller Berufstätigen leiden an psychischen Erkrankungen, 30 Prozent sind wegen psychosomatischer Erkrankungen in Behandlung. „Die gesellschaftlichen Bedingungen werden insgesamt immer krankmachender.“
Jugendliche leiden oft noch mehr unter den Bedingungen, weil sie mit ihnen nicht umgehen können. Warum? – Die Psychotherapeutin Monika Czamler sieht in einer sehr ambivalenten Tatsache eine Ursache: Zum einen wachsen Jugendliche durch die berufliche Belastung der Eltern oft sehr selbstständig auf. Zum anderen nehmen ihnen die Eltern – „vielleicht auch aus schlechtem Gewissen“ – sehr viel Entscheidungen und Aufgaben ab. Damit lernen die Kinder nie, wie sie mit Konflikten umgehen sollen.