Erst für Kinder, dann für Jugend, jetzt für alte Leute: Sr. Imma Haidinger
Ausgabe: 2004/51, kinder, Jugend, Haidinger, Erwin-Wenzl-Preis, St. Agahta, Ferihumer
15.12.2004
- Alois Ferihumer
Sie war das achte Kind – vier weitere sollten in der Familie Haidinger, St. Agatha, noch folgen. Aus der kleinen Theresia wurde Schwester Imma.
Es war im Jahr 1950, als die Kindergärtnerin Theresia Haidinger bei den Schulschwestern von Vöcklabruck die zeitliche Profess ablegte. „Die Zeit trug noch die Wunden des Krieges, die Belastung allein verdienender Mütter; es war daher nicht verwunderlich, dass bis zu 80 Kinder den Kindergarten besuchten“, erinnert sich Schwester Imma an die ersten zehn Jahre als Ordensfrau. In den Sechzigerjahren war sie Erzieherin in einem Hauptschulinternat in Ried i. Innkreis., dann kam sie nach Steinbach am Attersee. Sr. Imma wurde Heimleiterin in einem Fürsorgeheim und lernte viel Not kennen. Not, die Eltern eben veranlasste, ihre Kinder in ein Heim zu schicken. 1986 wechselte die erfahrene Schwester nach Linz, um die Mädchenwohngemeinschaft des sozialpädagogischen Zentrums Spattstraße zu leiten. Die katholische Schwester wurde also Mitarbeiterin in einer Einrichtung der Methodistenkirche. Sechs Jahre wohnte sie mit den Jugendlichen in einer Wohngemeinschaft. Nichts blieb ihr fremd: Haushaltsführung, Säuglingspflege, Beziehungsprobleme der jungen Frauen. Sr. Imma half, wenn es darum ging, Arbeit oder eine Wohnung zu finden. Zweimal war sie mit Jugendlichen auf der „Arche Noah“ unterwegs, um „eine Ahnung zu bekommen, wie es ist, ausgesetzt zwischen Himmel und Wasser, auf engstem Raum auf einem Schiff zu leben“. 1992 folgte der nächste markante Einschnitt. Sr. Imma widmete sich nun im Exerzitienhaus St. Klara in Vöcklabruck alten und pflegebedürftigen Menschen. Diese Aufgabe war auch mit umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen am Gebäude verbunden. Gleichzeitig wirkte Sr. Imma am Aufbau der Vöcklabrucker Hospizbewegung mit. Von 1999 bis 2001 kam für sie im Alten- und Pflegeheim in Gallspach eine ruhige und schöne Arbeitszeit bei den alten Menschen. 2001 folgte sie dem Wunsch der Generaloberin in die Seelsorge im Krankenhaus Braunau. Dort begegnet sie seither vielfach schwerstkranken und sterbenden Menschen wie auch trauernden Angehörigen, denen sie Begleitung anbietet. Ein Herzensanliegen ist ihr die Hospizbewegung. Sr. Imma gründete den ehrenamtlichen Hospizverein im Bezirk Braunau. Heuer ist auch die Organisation eines eigenen Ausbildungslehrganges gelungen.
Die Erwin-Wenzl-Preis-Preisträgerin
Zum Thema
Am 30. November wurde Sr. Imma Haidinger aus St. Agatha mit dem Erwin-Wenzl-Preis für herausragende Leistungen um die Bildung ausgezeichnet. In dem Preis sieht Sr. Imma auch eine Auszeichnung für ihren Heimatort und für die Familie. Bei den Geschwistern kontne sie immer wieder Jugendliche für die Ferien oder auch für Familienfeste unterbringen. Grundgelegt haben die Hilfsbereitschaft wohl die Eltern. Als z. B. kurz nach dem Krieg Stadtkinder zur Erholung nach St. Agatha kamen, blieb ein Bub bei der Aufteilung über. Trotz der vielen eigenen Kinder hat der Vater diesen Buben mit nach Hause gebracht und gemeint: „Auf das eine Kind darf es nicht ankommen. Der Herrgott hat doch gesagt: Was ihr den geringsten meiner Kinder tut, das habt ihr mir getan.“