Die Kraft der Kerzen erleuchtet den Dom. In der Stille des Domes kommen die einzelnen Worte und der Gesang umso mehr zum Tragen.
„Im Dunkel unserer Nacht entzünde das Feuer, das nie mehr erlöscht“, singt der Chor in immer wiederkehrendem Ton. Bis in den letzten Winkel des Domes ist die getragene aber keineswegs laute Melodie zu hören.
Ein kalter Donnerstag-Abend im Linzer Dom. Kurz vor halb acht haben sich hunderte Menschen vor dem Turmeingang des Mariä-Empfängnis-Domes eingefunden, wie auch an den beiden Donnerstagen zuvor. Das Tor öffnet sich. Ein langer Zug zieht durch den Mittelgang nach vorne. Der Geschäftslärm der Stadt ist längst verebbt. Wer es jetzt noch laut haben will, für den ist der Christlkindlmarkt am Hauptplatz wohl besser geeignet – auch wenn man sich fragen darf, was dieser mit dem Christkind zu tun hat.
Im Dom ist es still. Der Beginn des Johannesevangeliums steht in der Mitte der Verkündigung bei dieser „Oase im Advent“. „Am Anfang war das Wort ...“
Die Dompfarre hatte zu diesem „Raumerlebnis“ eingeladen. Nur das Kreuz und die Marienstatue sind von elektrischem Licht angestrahlt. Ansonsten erleuchten Kerzen den Dom – hunderte kleine Flämmchen. Erstaunlich, mit welcher Kraft sie Weite und Höhe des Doms durchdringen. Pastoralassistent Alois Mayer greift das Motiv auf. Er spricht von den „Verheißungen des Lichts“, die auch für die Bedrängten gelten und die in das persönliche Leben hineinstrahlen sollen.
Jedes Mal werden die Leute mehr, die der Einladung zu dieser „Oase“ folgen. Eine stille, besinnliche Stunde im Advent erlebten sie, die so nur in diesem Dom möglich ist.
Auch in der Fastenzeit wird es wieder das „Raumerlebnis im Dom“ geben (10. 2. und folgende Donnerstage).