Sechs Monate Wehrdienst soll auch heißen sechs Monate Zivildienst, sagt nicht nur die Katholische Jugend!
�Wenn 2006 der Wehrdienst auf sechs Monate reduziert wird, muss das auch für den Zivildienst gelten!� � Was Harald Fartacek von der Katholischen Jugend Oberösterreich als Ziel formuliert, vertreten Jugendorganisationen in der Zivildienstreformkommission, der er angehört. Die großen Zivildienstträgerorganisationen, z. B. die �Blaulicht�-Organisationen wie das Rote Kreuz, sehen das anders. Denn Zivildiener sind günstige, vom Staat finanzierte Arbeitskräfte.
Zivildienst � ein Rückblick
Als der Zivildienst 1974 eingeführt wurde, wehrten sich Zivildienstbefürworter gegen die Bezeichnung �Wehrersatzdienst�. Vor einer Kommission musste der Zivildienstwillige seine Gewissensgründe zur Ablehnung von Waffengewalt glaubhaft machen. 1991 wurde die Kommission abgeschafft. Im Gegenzug erhöhte die Politik die Dauer des Zivildienstes auf zehn, elf und schließlich zwölf Monate. Derzeit gibt es in Österreich ca. 10.000 Zivildiener. Jeder vierte Wehrdienstpflichtige macht Zivildienst. Tendenz steigend. Der Wehrdienst dauert noch (bis 2006) acht und der Zivildienst zwölf Monate (bis ?). Auch beim Entgelt sind Zivildiener schlechter dran. Fartacek unterstützt daher vehement die Forderung nach einer deutlichen Verbesserung des Verpflegungsgeldes. Sechs Monate Wehrdienst und sechs Monate Zivildienst. � So soll�s sein, sagt Fartacek. Liese Prokop, die neue Innenministerin, hat sich für eine Verkürzung der Zivildienstdauer und eine Angleichung des Entgelts ausgesprochen. Die Jugendorganisationen haben das erfreut vernommen.
In einem Monat
Die österreichische Zivildienstreformkommission hat den Auftrag, bis Ende Jänner 2005 zur Wehrdienstzeitverkürzung eine adäquate Verkürzung des Zivildienstes vorzuschlagen. Was bedeutet adäquat? Wird es eine von einer satten Mehrheit getragene Stellungnahme der Kommission geben? Sie besteht schließlich aus etwa 40 Mitgliedern, die aus Ministerien, Zivildienstträger- sowie Jugendorganisationen kommen. Der Generalsekretär des Roten Kreuzes Österreich, Dr. Wolfgang Kopetzky, hält zum Beispiel nur eine Verkürzung auf zehn Monate für vertretbar. Ein Viertel aller Rot-Kreuz-Einsatzstunden werden von den etwa 3.000 Zivildienern geleistet. Ausbildungszeit und erforderliche Praxis betragen zehn Wochen. �Bei einer Verkürzung auf 10 Monate würde jeder Zivildiener bereits 25 % seiner Dienstzeit in der Ausbildung verbringen�, sieht Kopetzky ein Missverhältnis zwischen Ausbildung und effektiver Leistungszeit.
Keine Wehrpflicht mehr
Rund um Österreich wird es bald keine allgemeine Wehrpflicht mehr geben. Die äußere Sicherheit ist eine Sache von Berufs- oder Freiwilligenheeren. In Tschechien, in der Slowakei und in Italien fällt die Wehrpflicht 2005 bzw. 2006. In Ungarn wurde sie 2004 abgeschafft. Nur in Deutschland bleibt sie vorerst, allerdings mit vielen Einschränkungen. So wird bald auch in Österreich das Aussetzen der allgemeinen Wehrpflicht �heiß�.
Freiwilligendienste
Daher soll jetzt schon im Bereich des Wehrersatzdienstes ein Freiwilligen-System aufgebaut werden. Für junge Erwachsene soll es in der Nachfolge vom Zivildienst ein Angebot geben. �Denn�, so Fartacek, �von jungen Leuten in den sozialen Einrichtungen profitieren die Jungen und die Einrichtungen.� Der Diskussion der�Billigkeit� der Zivildiener als Arbeitskräfte hält Fartacek wissenschaftliche Berechnungen entgegen, wonach die Zivildiener zwar für die Trägerorganisationen billig sind, nicht aber für den Staat. Bis zum Umbau auf Freiwilligkeit dauert�s noch. Schon jetzt aber wäre eine bessere Ausbildung der Zivildiener notwendig � gewaltfreie Konfliktregelung, erste Hilfe, Rechte und Pflichten, Katastrophenschutz im Rahmen des außerordentlichen Zivildienstes ...