Man zieht schlicht und einfach ein frisches an. So ist es, wenn man sich im Hemd nicht mehr wohl fühlt, weil es verschwitzt oder schmutzig ist – oder weil es zum Anlass nicht passt, zu dem man sich begibt. Jetzt steht der Jahreswechsel an. So einfach wie beim Hemdenwechsel geht das leider nicht über die Bühne. Ein Jahr lässt sich nicht einfach abstreifen. Der Schweiß, den es gekostet hat, lässt sich auch nicht einfach herauswaschen. Die Jahresspuren bleiben.
Das neue Jahr zieht man gewissermaßen über das alte an. Das alte gehört zum Bestand des eigenen Lebens. Es ist wie bei einem Baum. Ein Jahresring legt sich über die früheren – und die alten Ringe bilden mit der Zeit das feste Gehölz, das den Baum aufrecht sein lässt. Die neuen Ringe sind weich und empfindlich. Ein Baum wechselt nicht sein Hemd.
So bilden auch die alten Erfahrungen eines Menschen den Grundbestand des Lebens. Sie geben ihm Festigkeit für das Kommende. Ändern kann man Vergangenes nicht mehr, doch zeigt das schon Gelebte, wo man vorsichtig sein muss und wo man ruhig mehr Mut zeigen könnte. Sie bilden den kostbaren Erfahrungsschatz für das Leben.
Christen kennen eine fantastische Möglichkeit, mit Beschädigungen und mit dem Schlechten des alten Jahres umzugehen: Man überlässt die Dinge nicht einer „Verjährung“, wie es Gesetze tun. Versöhnung und Verzeihen ist der bessere Weg in ein neues Jahr.
Und: Wechseln sie nicht - behalten sie lieber Ihr altes Jahr.