P. Johannes Simon leitet das Kloster der Franziskaner in Bethlehem. Seit 2. April sitzen er und rund 30 Ordensleute zwischen israelischen Soldaten und bewaffneten Palästinensern in der Geburtskirche fest.
Tag 24 der „entsetzlichen Belastung“, wie P. Johannes den Krieg um die Geburtskirche Jesu nennt, hat erstmals eine leichte Entspannung für die inzwischen untragbare Situation gebracht. Von einem israelischen Panzer heraus war der deutsche Franziskaner aufgefordert worden: „Bringen Sie die Verletzten heraus!“ Ebenfalls zwei Leichen konnten ins Freie geschafft werden, die seit einer Woche im Gotteshaus verwesten. Gleichzeitig erhielt der 67-jährige Diabetiker bereits zum zweiten Mal die dringendst benötigten Medikamente. Und in den Abendstunden gab es zum ersten Mal wieder Strom – für wenige Stunden. Lange genug jedoch, um per Handy mit draußen wieder Kontakt aufnehmen zu können.„Beide Seiten treiben ein böses Spiel mit uns“, erklärt Simon, der erst seit 1994 im Heiligen Land lebt. Der geborene Hunsrücker gehörte über Jahrzehnte der kleinen franziskanischen Gemeinschaft in der DDR an. In der von Panzern umstellten Kirche beschreibt der Guardian sein Dilemma mit den Bewaffneten: „Wenn wir gehen, schießen die Palästinenser, wenn wir nicht gehen, schießen die Israelis.“ Zur Lösung des Konfliktes an der Krippe des Christentums meint er: „Wir können das nicht klären. Diejenigen, die Verantwortung tragen, müssen sie finden.“ Doch es ist fraglich, wie weit im Medienkrieg der Wille dazu vorhanden ist. Denn Bilder von der belagerten Kirche schüren die Kritik an Israel und bringen den Palästinensern Sympathie.