Religion ist ernst – und sie hat mit gewichtigen Dingen zu tun. Selbst wenn Christen feiern, scheint die Freude verhalten zu sein. Die Sorge scheint ihnen eher ins Gesicht geschrieben zu sein als die Züge der Freude. Es ist Mai – und für Katholiken steht dieser Monat besonders im Zeichen Marias.
Auch Maria hat Sorgen. Die Bibel spricht davon. Doch worum sie sich sorgt, das könnte Christen eine gute Lehre sein. Zwei ganz unterschiedliche Sorgen verdeutlichen, was Maria wichtig ist.
Da ist die Hochzeit zu Kana – und Maria sorgt sich um den Wein. Der Wein – das Symbol der Lebenslust und der Lebensfreude könnte nicht reichen. Das ist eine Sorge der Gottesmutter – eine lebensoffene, göttliche Sorge. Es steht auch eine zweite Sorge da: die ohnmächtige Sorge am Kreuzweg. Der geliebteste Mensch ist in Gefahr. Sie trachten ihm nach dem Leben. Er stirbt.
Der Blick Marias – ihre doppelte Sorge – eröffnet einen lebenstauglichen Weg. Vor dem Leid nicht die Augen zu verschließen und zugleich den Sinn für die Lebensfreude zu bewahren, das hilft, dem Leben besser zu begegnen. Die Sorge um das Leid allein macht bitter, bei der Lebenslust stehen zu bleiben, egoistisch. Beides zu verbinden, das ist die Schule Mariens. Wie Menschen einander begegnen und achten, wie Pfarren ihr Leben gestalten, wie Politik gemacht wird. Die beiden „Sorgen“ Marias sollten Begleiter sein.