Soll der Opernball stattfinden? Muss man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man indiesen Wochen nach der Flutkatastrophe in Südostasien die eine oder andere Faschingsveranstaltung besucht? Die Bilder der Katastrophe bekommt man nicht so leicht aus dem Kopf. Sie wühlen im Inneren – und sie sprechen eine Grundbefindlichkeit an. Den sicheren Boden, auf dem man zu leben wähnt, den gibt es nicht. Eine große Katastrophe oder ein Unglück, bei dem nur wenige zu Schaden kommen – für die betroffenen Menschen ist es immer dasselbe Leid. Zu jeder Zeit kann es kommen.
Da tut es auch mitten im ohnehin kurzen Fasching 2005 gut, sich auf den Boden zu besinnen, auf dem man lebt. „Windhauch ist alles“, sagte Kohelet im Alten Testament. Nichts hat Bestand. Diese Grunderfahrung steht in der Heiligen Schrift neben der anderen Grunderfahrung, die das Leben doch unter dem Gesichtspunkt einer frohen Botschaft begreifen kann.
Trauer und Freude verweisen letztendlich auf den gleichen Ursprung. Weil es nicht gleichgültig ist, was mit dem Leben geschieht, empfinden Menschen Trauer. Und weil sie einander nicht gleichgültig sind, empfinden sie auch Freude aneinander und miteinander. Menschen tun sich schwer, beides zusammen zu erleben. Erst nach einer Zeit großer Betroffenheit und Trauer wird das Herz wieder frei für die Freude. Es ist trotzdem anders. Jetzt trägt die Freude die Erfahrung des Schmerzes in sich. Sie wird bescheidener sein.