Es war der Kampf gegen das Böse, dem sich George W. Bush in seiner ersten Amtszeit gewidmet hat. Nach dem Krieg gegen Afghanistan nahm er die „Achse des Bösen“ ins Visier. Wie sehr sich seine Regierung dabei im Irak geirrt hat, zeigt die Tatsache, dass die Suche nach den Massenvernichtungswaffen – deren Existenz den Krieg begründet hatte – nun ergebnislos eingestellt wurde. Selbst Pio Laghi, der Kardinal war lange Nuntius in den USA und vor dem Irak-Krieg als päpstlicher Sondergesandter bei George W. Bush, meint: Der Präsident habe „sich geirrt“. Kämpft Bush auch in seiner zweiten Amtszeit ab dem 20. Jänner weiter, so gilt es, die Achse neu zu definieren: statt Irak, Iran und Nordkorea sollte sie heißen: Armut, Krankheit und Hunger.
Walter Achleitner
Der Austrittsrekord
In den Kirchenbeitragsstellen hat man schon länger vom „scharzen Sommer 2004“ gesprochen: Mit dem Auffliegen der Sex- und Alkoholskandale im St. Pöltner Priesterseminar und dem beschämenden Taktieren von Bischof Kurt Krenn schnellten die Kirchenaustritte in die Höhe. Sie konnten auch durch das anschließende umsichtige Bemühen des Apostolischen Visitators Klaus Küng nicht mehr gebremst werden. Nun haben die ersten Diözesen ihre Austrittszahlen veröffentlicht. Angesichts von Steigerungsraten von 20 bis 38 Prozent gegenüber dem Jahr 2003 muss man von einem Schock sprechen. Da tröstet es auch wenig, wenn der rasante Anstieg fast ausschließlich auf die zweite Jahreshälfte fällt. Er zeigt lediglich, wie labil und krisenanfällig hierorts die Beziehung vieler Katholiken zu ihrer Kirche geworden ist. Ein Grund zum Nachdenken!