Als Weltmeister ist man ein Star – ob man will oder nicht. Ex-Skirennläufer Hannes Trinkl aus St. Pankraz genießt das Leben abseits vom Trubel.
Vieles hat sich geändert, seit Hannes Trinkl im Sommer 2004 seine Rennskier endgültig in die Ecke stellte. Krafttraining, Reisestress, Materialtests – alles kein Thema mehr. Andere Dinge sind gleich geblieben: die Liebe zur Familie, die Verbundenheit mit der Natur und die Fähigkeit, aus der Ruhe Kraft schöpfen zu können. Schon als Rennläufer hat Trinkl den Rummel gemieden und war, so oft es ging, daheim. „Früher musste ich Training und Familie aufeinander abstimmen“, erinnert er sich. Jetzt genieße er es, mit seiner Frau auszugehen oder Ausflüge zu machen. Natürlich ist er Sportler geblieben – wenn auch auf andere Weise. Bei Forstarbeiten am Hof seines Bruders tankt er Kondition. Vor knapp drei Monaten hat er sich dabei das Bein gebrochen. Den Naturliebhaber wirft das nicht aus der Bahn. Selbstverständlich werde er wieder Holzarbeiten, und Skifahren mit den Kindern war er auch schon. Die Kinder – zwei Töchter und ein Sohn – freuen sich besonders, dass ihr Papa jetzt mehr Zeit mit ihnen verbringt. Trinkl: „Wir leben in einer hektischen Welt, niemand hat Zeit für andere.“ Viele würden Kinder als Belastung sehen, für ihn seien sie eine Bereicherung. Der dreifache Vater bezeichnet sich als gläubigen Menschen und ist sich seiner Vorbildrolle bewusst – auch was die Religion angeht: „Wenn sich alle an die Gebote Gottes halten würden, könnte sich die Gesetzgebung viel ersparen.“
Bei Bergwanderungen findet der St. Pankrazer Ruhe und Ausgeglichenheit. Er, der die guten, aber auch die unangenehmen Seiten des kommerziellen Spitzensports kennen gelernt hat, sieht die Dinge von dort oben aus einem anderen Blickwinkel. „Ich treffe Leute, die sehr einfach leben und nie auf ihren eigenen Vorteil geschaut haben.“ Von diesen Menschen könne man viel lernen.
Ob der Name Trinkl wieder einmal im Ski-Weltcup auftaucht, wird sich weisen. Sohn Lukas will in die Fußstapfen des – gar nicht so begeisterten – Vaters treten. „Wenn ich daran denke, was alles auf ihn zukommt, möchte ich nicht, dass er Rennläufer wird“, sagt Trinkl.Er selbst besucht weiterhin Skirennen, um seine Sponsorverträge zu erfüllen. Das Leben als Rennläufer vermisst Trinkl nicht. Nur auf der Streif in Kitzbühel, wo er am Wochenende als Zuschauer umsonst auf ein Abfahrtsrennen gehofft hat, hätte er gerne gewonnen.