Es ist oft seltsam anmutend, wenn es darum geht, mit welch Spitzfindigkeiten sich Theologen früherer Generationen beschäftigen mussten. Zu jenen Zeiten, als Mäuseplagen Kirchen noch vor erhebliche Probleme gestellt haben, zählte zu den heiklen Fragen: Darf eine Maus, die eine Hostie verzehrt hat, erschlagen werden? Mit diesem Beispiel sollten keineswegs Steine auf frühere Generationen geworfen werden. Vergangene Woche hieß es aus dem Vatikan: Eine Frau könne von ihrem an Aids infizierten Ehemann beim ehelichen Geschlechtsverkehr den Gebrauch eines Kondoms verlangen. Doch die als Recht auf Selbstverteidigung verstandene Interpretation scheint jene zu sein, die im Vatikan bisher am großzügigsten ist. Hoffentlich werden spätere Generationen auch einmal milde den Kopf schütteln über jene Fragen, die im 21. Jahrhundert die Theologie beschäftigt haben.
Walter Achleitner
Das Reformgetöse
Die Schule muss reformiert werden. So tönt es nach einigen Wochen des PISA-Schocks aus allen Ecken. Und je nachdem, was jemand gerne hätte oder schon immer gerne gehabt hätte, holen sich die einen das und die anderen jenes aus dem Baukasten des finnischen Schulsystems. Die Nordländer sind das große Vorbild, bringen sie doch für weniger Geld jene Spitzenleistungen, von denen Österreich weit entfernt ist. Die selbsternannten Reformwuzzis übersehen dabei, dass auch das finnische Modell über Jahre gewachsen ist und nicht einfach wie eine neue Haube über einen alten Kopf gezogen werden kann. In der österreichischen Schule wurde in den letzten Jahren soviel herumgedocktert, dass vor weiteren Schnellschüssen gewarnt werden muss.