Ausgabe: 2005/04, Irak, Casmoussa, Entführung, Terror
26.01.2005
- Walter Achleitner
Ungewöhnlich kurz für den Irak dauerte seine Entführung. Für Basilius Casmoussa, den Erzbischof von Mossul, zeigt diese Episode: „Für Wahlen ist das Land noch nicht reif.“
Gesetzlosigkeit gibt dort seit Monaten den Ton an. Dennoch war Basilius Georg Casmoussa am Montag vergangener Woche in den Stadtteil von Mossul gefahren, um eine der syrisch-katholischen Familien zu besuchen. Als der Erzbischof gegen 17 Uhr das Haus verließ, „sprangen zwei bewaffnete Männer aus einem Auto. Sie zwangen mich einzusteigen“, erzählt er gut 24 Stunden später. Er mutmaßt: „Ich war das Opfer einer Verwechslung.“ Denn als Casmoussa den Entführern anbot, mit seinem Handy seine Identität zu prüfen, da war wenig später alles vorbei. Ohne die geforderten 200.000 US-Dollar gezahlt zu haben. „Sie setzten mich im Osten der Stadt aus. Ich bin im Taxi nach Hause gefahren“, erzählt der 66-Jährige so, als sei er nicht gerade dem Tod entkommen. Überzeugt ist Casmoussa, dass es nicht ihn als Christen getroffen hat, sondern als Iraki. „So wie es unsere muslimischen Mitbürger auch trifft.“ Der Erzbischof hat westlichen Medien schon vorgehalten, dem Leid der Christen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Doch Moslems würden unter dem Terror genau so leiden. Als „schwere kriminelle Tat gegen eine hohe religiöse Persönlichkeit“ wurde die Entführung auch von Seiten der Schiiten verurteilt. Denn der Erzbischof vertrete eine Gemeinschaft, so der Sprecher des Obersten Rates der Islamischen Revolution, „mit der wir zusammen unser Land aufbauen wollen“.