Ausgabe: 2005/04, Leitartikel, Obdachlosigkeit, Kirche
26.01.2005
- Matthäus Fellinger
Ein Problem für die Kirche. Ein wirtschaftlicher Schaden. Die Rechnung für verfehlte Personalpolitik. Momentaufnahmen zur gegenwärtigen Debatte um die hohe Zahl an Kirchenaustritten. Man sucht nach Gründen, auch nach Wegen, wie man entgegensteuern könnte. Der Blick sollte auch bei der Frage des Austritts in erster Linie auf die Betroffenen gerichtet werden – und erst in zweiter Linie auf die Kirche selbst. Was geht in einem Menschen vor, der sich für den Kirchenaustritt entscheidet? Und was motiviert andere, bei der Kirche zu bleiben, obwohl sie mit vielem nicht einverstanden sind?
Wer austritt, steht ja auch vor der Frage: Wo trete ich eigentlich hin? Wo verankere ich die Hoffnungen meines Lebens? Und auch wenn bei einem Menschen die Beziehung zu seiner Glaubensgemeinschaft dünn geworden ist, so ist doch die Frage, ob die „Gemeinden“ des modernen Lebens Erfüllung bringen können: all die Freizeitclubs, Hörergemeinden, Einkaufsgemeinschaften und vieles mehr. Kirche hat mit Glauben zu tun. Und selbst wenn jemand im Glauben unsicher ist, ist für ihn nicht einfach austauschbar, woran er glaubt.
Obdachlosigkeit gibt es nicht nur im Blick auf das leibliche Zuhause, sondern auch, was die Seele betrifft. Zu dem, was in der Mitte der Kirchen steht, gibt es in Wahrheit keine Alternative. Es ist oder es ist nicht. Wenn nicht, dann steht ein Mensch sehr arm in seinem Leben. Von der Kirche ist gefordert, dass sie die Armen nicht im Stich lässt.