Premierenklassen sind Schulklassen, die von Anfang an beim Theaterstück dabei sind: Gespräche, Proben, Premiere, Feier und Nachbesprechung.
Kein Vorhang fällt, nur Dunkelheit und Stille. Auch die Schülerinnen der 6. Klasse des Linzer Kreuzschwesterngymnasiums sind sprachlos, bekommen kein Wort heraus. „Heute werde ich nicht schlafen können“, so die Reaktion. Feuergesicht ist ein Stück über zwei Geschwister, ihre Probleme mit Eltern und Erwachse werden, über das Feuer und das Brennen. Mitten drin: die Premierenklasse. Steht sogar im Programmheft. Seit sieben Jahren lädt das Landestheater eine Schulklasse zur Premiere ein. Seit vorigem Jahr ist es bei allen Produktionen möglich. „Ein tolles Angebot, Theater hautnah zu erleben!“, für die Deutschlehrerin an der Kreuzschwesternschule Mag. Heidi Gutleber sind besonders die Proben und die Gespräche mit Dramaturg und Regisseur interessant gewesen.
Theater als Arbeit
Immer und immer wieder dieselbe Szene, Alltag für Schauspieler/innen. Die Schülerinnen sehen nun den Theaterberuf anders. Sehen die Arbeit dahinter, aber auch das Ergebnis anders, meint Gutleber. „Wenn man sieht, wie kurz die geprobten Szenen im Stück sind und wie lange geprobt werden muss.“ Bei der Premiere wird aus den einzelnen Szenen dann ein Ganzes. Es wird klarer, warum aus der Geschwisterliebe Inzest, aus dem Spiel mit dem Feuer Brandstiftung wird, beim Gefecht mit den Eltern Blut fließt. „Feuergesicht ist kein ausgewiesenes Jugendstück“, für die Theaterpädagogin Anke Held ist daher die Vor- und Nachbereitung durch Lehrer und Theater wichtig. „Es ist ein starker Brocken“, sie empfiehlt, das Stück wirken zu lassen, und erst dann darüber zu reden.
Das Stück „Feuergesicht“ läuft bis 17. Februar im Linzer Eisenhand. Informationen zum Projekt „Premierenklasse“ unter www.uhof.at.