In den vergangenen Tagen wurde Bilanz gezogen. Die schwarz- blaue Regierung feierte ihre fünfjährige „erfolgreiche“ Zusammenarbeit. Die Sozialisten handelten sich mit ihrer verbal überspitzten Abrechnung im Parlament einen Ordnungsruf ein. Und wenn der Grünen-Sprecher Van der Bellen meinte, nicht alles, was in diesem Land „wunderbar und einmalig“ sei, gehe auf das Konto der Regierung, so darf man getrost auch umgekehrt sagen: Nicht alles, was in diesem Land schiefläuft und die Menschen belastet, hat diese Regierung zu verantworten. Und bei der Beurteilung kommt es häufig auf den Standpunkt an: Wer den wirtschaftsliberalen Kurs richtig findet, hat mit der massiven Steuersenkung für die Großunternehmen kein Problem, wer die steigende Zahl Armer im Blick hat, schon.
Hans Baumgartner
Medienspektakel
Es glich einem Suchbild, als am Sonntag Johannes Paul II. zum Mittagsgebet erschien. Als sich in der Front der römischen Gemelli-Klinik im zehnten Stockwerk ein Fenster öffnete. Ein Bild, das 25 Satellitenantennen zeitgleich in alle Welt übertragen haben. „Der Papst ist wieder da“, war die Botschaft der Zeremonie, wie sie ein Teilnehmer formulierte. Vorausgegangen waren, aufgrund spärlicher Informationen nach nächtlicher Notaufnahme, abenteuerliche Spekulationen um den Gesundheitszustand des Papstes. Tags da- rauf betonte der Vatikansprecher sogar, der Patient habe das Bewusstsein zu keinem Zeitpunkt verloren. Am Sonntag gab er dann den Ball an die Medien zurück: der Papst sei so weit genesen und er werfe täglich einen Blick in die Zeitungen: „um den Fortgang seiner Krankheit zu verfolgen“.