Zur selben Zeit entdeckten Christian Klösch und Kurt Scharr die Widerstandskämpferin Irene Harand. Der eine stieß in New York auf sie, der andere in Moskau. Nun gibt es ein Buch.
Während seines Geschichtestudiums hat sich Christian Klösch (35) intensiv mit dem Wiener Kultur- und Geistesleben nach 1900 beschäftigt. Dabei sei er auf viele jüdische Künstler und Wissenschafter gestoßen, die vor dem Nationalsozialismus flüchten mussten. Um diese Spuren weiter zu verfolgen, ging Klösch als „Gedenkdiener“ ans Leo-Baeck-Institut nach New York, wo ein großes Archiv über das deutschsprachige Judentum aufgebaut wird. Zu seiner Arbeit gehörte es auch, Interviews mit jüdischen Emigranten zu führen. „Dabei“, so Klösch, „fiel immer wieder der Name von Irene Harand und ihrer Bewegung, die vielen Juden geholfen habe, in die USA auszuwandern. Als ich dann Harands Buch ,Sein Kampf – Antwort an Hitler‘ (1935) in die Hände bekam, war ich völlig überrascht, dass es damals in Österreich eine derart klare Kritik am Nationalsozialismus und dessen Rassismus gab und dass ich das als Zeithistoriker nicht kannte.“ Bei einem Gedenkdienertreffen erzählte Klösch von seiner New Yorker Entdeckung und fand einen zweiten Überraschten. Kurt Scharr hatte in Moskauer Archiven umfassendes Material über die Harand-Bewegung „gegen Rassenhass und Menschennot“ (1933 gegründet) gefunden, das bis dahin als vernichtet galt. „Das war für uns der Anstoß, ein Buch zu machen, um diese Frau dem Vergessen zu entreißen. Ihre vom Glauben motivierte Zivilcourage und politische Wachheit sind ein bleibendes Vorbild.“