Für ihre Schüler ist die Hauptschule 22 im Linzer Stadtteil Bindermichl viel mehr als eine typische Stadtschule. Sie ist ein kreativer Ort der Musik und der Freundschaft.
Vergangenes Jahr Gesangswettbewerb in Prag, heuer Chorfestival in Venedig, dazwischen ein Live-Auftritt fürs Radio am Linzer Südbahnhof. Wovon die 14-jährige Evelyn erzählt, klingt nicht nach Schulalltag. Und doch sind Erlebnisse dieser Art fixer Bestandteil ihrer Ausbildung an der Musikhauptschule Bindermichl. Die nach dem Linzer Altbürgermeister Dr. Ernst Koref benannte Schule führt neben regulären Hauptschulklassen in jedem Jahrgang eine Spezialklasse mit musischem Schwerpunkt.Am Stundenplan der Musik-hauptschüler/innen stehen auch Musizierien, Tanzen, Musikgeschichte und Instrumentallehre. Jede/r Schüler/in erhält Unterricht in einem selbst ausgewählten Instrument. Bei all den künstlerischen Schwerpunkten haben Fächer wie Englisch oder Mathematik trotzdem einen hohen Stellenwert. „Wir legen Wert auf eine solide Grundausbildung“, sagt Schulleiter Karl Kainz. Dazu dienen auch Freigegenstände wie Informatik, Maschinschreiben oder Berufsorientierung. Der Direktor sieht seine Schule als Beispiel dafür, dass Stadthauptschulen oft zu Unrecht unter einem schlechten Image leiden. Zahlreiche Projekte wie Theateraufführungen, Musicals oder Chorwettbewerbe würden von hoher Qualität zeugen.
Kreativität in der Klasse stärkt die Gemeinschaft
‚„Die Mädchen sind kein Problem“, sagt Florian. Gut für ihn, schließlich ist der 14-Jährige der Einzige seines Geschlechts in der diesjährigen Abschlussklasse. Die 16 Mädchen haben auch kein Problem mit ihm. Es sei eine enge Klassengemeinschaft entstanden, erzählt die 13-jährige Yvonne. „Durch das viele gemeinsame Musizieren und Singen hält man vielleicht mehr zusammen“, glaubt die Schülerin. Wenn sie nicht gerade selbst auftreten oder für Schularbeiten (die gibt es auch!) lernen, besuchen die Schüler mit ihren Lehrern oft deutsche oder auch englische Theateraufführungen. „Ich finde das sehr interessant, nicht nur, weil ich dann nicht in die Schule gehen muss“, behauptet Klassenkollegin Aleksandra. Sie und ihre Freundin Raphaela würden auf jeden Fall wieder die Hauptschule 22 besuchen, wenn sie die Wahl hätten. Die Möglichkeiten, ein Instrument zu lernen, Musik zu machen und künstlerisch und kulturell gefördert zu werden, haben sie überzeugt. Direktor Kainz fühlt sich bestätigt: „Die Konkurrenz der AHS-Zentren rundherum macht es uns nicht leicht. Durch den musischen Schwerpunkt haben wir uns ein wenig profiliert.“ co