Ein Kursteilnehmer bedankt sich bei den beiden Lehrerinnen Monika Wollhofen (rechts) und Mag. Krista Raijc (links).
Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien war der Auslöser für die Gründung der „Initiative Mitmensch Almtal“. Aus der Betreuung von Kriegsflüchtlingen wuchs ein Projekt der Integration und Freundschaft.
In Scharnstein fanden 25 Menschen vor den Gräueln des Bürgerkriegs in Bosnien Sicherheit. Als im Laufe der Zeit immer deutlicher wurde, dass für einen Großteil der Flüchtlinge an eine Rückehr in die alte Heimat nicht zu denken war, bot die „Initiative Mitmensch Almtal“ einen Sprachkurs an. Doch bald war klar: Die Menschen brauchen mehr als einen Sprachkurs. Aus dem Sprachunterricht wurde ein Integrationsseminar, aus einer Einbahnstraße ein Platz für Begegnung.
Voneinander lernen
Die „Sprachkurse“, wie sie weiterhin genannt werden, bilden das Herzstück der Arbeit der Initiative Mitmensch. Die Zusammensetzung der Gruppe und die Methoden lassen die Kurse aus dem Rahmen fallen. Von den je zwanzig Teilnehmer/innen sind immer rund ein Drittel Österreicher. „Wir lernen Serbokroatisch, die ehemaligen Flüchtlinge Deutsch“, erklärt Gertrude Auer, die Verantwortliche für die „Sprachkurse“: „So zeigen wir Wertschätzung ihrer Kultur gegenüber.“ Auer hat selbst an allen Kursen teilgenommen und beherrscht inzwischen die einfache Konversation in Serbokroatisch. Da sie im Verkauf tätig ist, spricht sie die Menschen manchmal sogar im Geschäft auf Serbokratisch an.
Analphabeten trauen sich
Bei den Kursabenden sitzen die Teilnehmer/innen zumeist am Boden. „Es geht um einen kulturellen Austausch auf Augenhöhe. Da gibt es kein oben und unten“, erläutert Auer. Dass das Konzept aufgeht, beweisen die Anmeldungen. Auch Analphabeten schämen sich nicht, in dieser Runde Deutsch zu lernen. Dazu tragen wesentlich die beiden Lehrerinnen Monika Wollhofen und Mag. Krista Raijc bei.
Neue Asylwerber
Der „Initiative Mitmensch Almtal“ gehören 50 Mitglieder an. Die ehemaligen Flüchtlinge sind froh, in der Initiative Ansprechpartner vor Ort zu haben: bei Behördengängen, Problemen mit der Wohnung oder dem Arbeitsplatz. Seit kurzem hat sich der Aufgabenbereich der „Initiative Mitmensch Almtal“ wieder erweitert. Vor einigen Monaten haben fünf Familien aus Tschetschenien in Scharnstein Quartier bezogen, unter ihnen 13 Kleinkinder – und die will man natürlich nicht allein lassen.