Käserei, Schule, Glaswerk-stätte – wofür das Stift Schlierbach heute bekannt ist, entstand im 20. Jahrhundert. Die Geschichte des Klosters reicht aber bis 1355 zurück.
Auf einen zweifachen Anfang kann das Stift Schlierbach verweisen: Ursprünglich wurde es vor 650 Jahren vom Geschlecht der Wallseer als Zisterzienserinnenkloster für zwölf Nonnen gegründet. Aus dieser Zeit dürfte auch die „Schlierbacher Madonna“ stammen. Vermutlich war sie ein Geschenk des Landesfürsten an die Ordensfrauen. Außer einigen Urkunden ist sie das Einzige, was vom Frauenkonvent erhalten blieb. In den Wirren der Reformation wurde 1556 die Äbtissin abgesetzt. Die Gebäude standen mehr als ein halbes Jahrhundert leer, ehe die Männer einen Neuanfang setzten: Zisterzienser aus dem Stift Rein besiedelten das baufällige Kloster.
Den ersten Äbten gelang es, das Stift auf eine wirtschaftlich solide Basis zu stellen, sodass die gesamte Anlage neu gebaut werden konnte. Mitglieder aus der Künstler-Dynastie der Carlone waren die Baumeister.
Die Klosterkirche im Stil des Hochbarock bildet das Zentrum des Klosters. Ihr Bild- und Figurenprogramm ist eine eindrucksvolle Manifestation der Marienverehrung, die im Orden der Zisterzienser einen hohen Stellenwert besitzt. Zu den besonders sehenswerten Räumen gehören weiters die Bibliothek, der Kreuzgang mit der Schlierbacher Madonna und der Bernardi-Saal. Nach dem wirtschaftlich schwierigen 19. Jahrhundert führte Abt Dr. Alois Wiesinger (1917 bis 1955) das Kloster zu einer Blüte. Die Gründung von Gymnasium, Käserei, Glasmalerei und des Klosters Jequitiba in Brasilien sind seine Initiativen. „Alle unseren derzeitigen Aufgaben gehen auf ihn zurück“, erklärt Abt Altmann Hofinger. Heute gehören dem Konvent 21 Mönche an. Zwei Kleriker – sie stammen aus der Ukraine – befinden sich im Studium. In der Internationalisierung der Kommunität sieht Abt Altmann einen Weg, dem „Nachwuchsmangel“ zu begegnen.
Pfarren bleiben Standbein
Das Stift betreut neun Pfarreien im Umkreis des Klosters, acht davon sind „besetzt“. Lediglich Klaus und Steyrling werden von einem Priester gemeinsam betreut. Abt Altmann Hofinger: „Die Pfarrseelsorge wird auch in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil unserer Aufgaben bleiben. Sie war von Anfang an dem Kloster aufgetragen.“ Insgesamt leben in den Stiftspfarren 18.434 Katholiken.
Die Jubiläumsausstellung „650 Jahre Stift Schlierbach“ wird am 26. April 2005 eröffnet. Die Schau ist Rahmen der Stifts-Führungen zu besichtigen.