Der Rhythmus der Schule soll enger an den Rhythmus der Arbeitswelt angepasst werden, lautet eines der Motive für die Schulreform-Debatte. Schule wird, in welcher Form immer das geschehen soll – zur Ganztagsange-legenheit. In der Arbeitswelt ist das ja auch so. Und diese wird wiederum vom Rhythmus der Wirtschaft bestimmt, von Auftragslagen und Konjunktur. Zunehmend flexibel also.
Ein Dorf, irgendwo in Oberösterreich. Es ist Nachmittag und es ist still. Nicht einmal Kinder sind da. Die Plätze, an denen sie sich früher aufgehalten haben, sind leer – dafür sauber. Wo sind sie geblieben – die Kinder? Sie kommen heim, wenn alle heimkommen, zu einem Drittel des Jahres nach Einbruch der Dunkelheit. Dorfentwicklung heißt ein politisches Anliegen der letzten Jahre. Hieß – muss man jetzt wohl sagen. Denn nach der Schließung von Postämtern, Geschäften, nachdem vielerorts auch kein Pfarrer mehr da ist, kommen jetzt die Kinder und Jugendlichen den Dörfern abhanden. Nur mehr am Wochenende trifft man sie – aber das ist die einzige Zeit, in der sie auch „fortgehen“ können.
Es ist nicht schlecht, wenn über eine bessere Schule nachgedacht wird. Doch mit jeder Errungenschaft geht etwas verloren. Man muss sich bewusst sein, was das ist. Eine Schulreform greift tief ins Leben ein. Wie können Kinder ihre Freundschaften außerhalb der Schule pflegen? Und warum sagt niemand, dass man die Arbeitswelt auch stärker an den Bedürfnissen der Menschen – und Kinder – orientieren sollte?