Ausgabe: 2005/20, Liturgie, Bischöfe, Kirche, Glaube, Gemeinde
19.05.2005
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
„Die Sorge um die Liturgie und besonders um die Eucharistie als deren Herzmitte ist eine vorrangige Aufgabe der Bischöfe. Zum heurigen ,Jahr der Eucharistie‘ hat Papst Johannes Paul II. die Enzyklika ,Ecclesia de Eucharistia‘ und das Apostolische Schreiben ,Mane nobiscum Domine‘ verfasst. Diese kostbaren Texte sollten in allen Pfarren und in allen anderen kirchlichen Gemeinschaften sorgsam bekannt gemacht werden. Gemeinsam mit den auf Liturgie bezogenen Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils helfen sie, die Liturgie in ihrer Tiefe, Heiligkeit, Lebendigkeit und Schönheit besser zu verstehen und zu feiern.
Es gibt in Österreich viele Bemühungen um eine solche Liturgie. Die Bischöfe danken allen, die dazu beitragen, und bitten, diesen Weg weiter zu gehen. Es gibt in Österreich leider aber auch an nicht wenigen Orten eigenmächtige Veränderungen, die den ohnedies weiten Rahmen überschreiten, der von der Kirche für eine authentische Liturgie vorgegeben ist. Solche Überschreitungen gefährden über kurz oder lang die Einheit und den Frieden in der Kirche und dies gerade bei jener heiligen Feier, die eine der Hauptquellen für Einheit und Frieden sein soll.
Die kirchliche Ordnung der Liturgie ist kein Joch, sie dient nicht dem Buchstaben, sondern soll ein Instrument des Heiligen Geistes sein, der sich nicht in regelloser Spontaneität, sondern in einer Ihm gemäßen Form ausdrücken will. Als Bischöfe müssen und wollen wir Kritik an Verletzungen der liturgischen Ordnung jeweils sorgsam prüfen. Solche Kritik beruht manchmal nicht oder nur teilweise auf Tatsachen und ist gelegentlich auch begleitet von Methoden, die den Geboten des Evangeliums widersprechen. Dort, wo die Kritiker im Recht sind, müssen und wollen wir aber gemeinsam zur Ordnung zurückkehren. Es gibt viele Formen der Liturgie. Manche haben niedere Schwellen und sind so eine Einladung an Suchende, vor allem auch an junge Menschen, schrittweise dem zentralen Mysterium näher zu kommen. Die Heilige Messe ist aber inmitten der Liturgie im Ganzen eine unverwechselbare Feier. Wir dürfen die Schwelle zu ihr nicht flacher werden lassen. Einige konkrete Themen betreffend die Heilige Messe bedürfen heute einer besonderen Beachtung. Drei seien genannt:a) Der Priester als Träger des Weihesakraments steht bei der Eucharistiefeier in der Gemeinde und zugleich stellvertretend für Christus der Gemeinde gegenüber. Ohne Priester gibt es keine gültige Eucharistiefeier. Die Verkündigung des Evangeliums in der Feier der Heiligen Messe ist ausschließlich dem Priester oder dem Diakon anvertraut. Das eucharistische Hochgebet ist den zelebrierenden Priestern vorbehalten. Die liturgische Gemeinde bekräftigt es nach uraltem Brauch der Kirche durch Akklamationen und jedenfalls durch das abschließende Amen.
b) Der Empfang der Heiligen Kommunion bedarf der Ehrfurcht als Ausdruck des Glaubens, dass in der Gestalt von Brot und Wein Christus wirklich gegenwärtig ist. Unter diesen Voraussetzungen ist der Empfang der Kommunion ebenso in die Hand wie in den Mund der Kommunizierenden möglich.
c) Christus bleibt in Gestalt des in der Eucharistiefeier in seinen eucharistischen Leib verwandelten Brotes auch nach der Heiligen Messe gegenwärtig. Die Ihm zugewendete eucharistische Anbetung ist eine große Quelle geistlicher Kraft, die auch von jungen Menschen in vielen Ländern mehr und mehr entdeckt wird.“