Der 18-jährige Dominik Gruber leistet seinen Zivildienst in Ecuador
Ausgabe: 2005/33, Gruber, Zivildienst, Ecuador,
18.08.2005
- Andrea Brandner
Ganz andere Zukunftspläne als die meisten in seinem Alter hat der Maturant aus Mauthausen.
Seit ungefähr einem Jahr hat Dominik Gruber den Entschluss gefasst, seinen Zivildienst nicht in Österreich zu leisten. Fest stand hingegen schon immer, dass er die Alternative zum österrreichischen Bundesheer wählen würde, denn die Sinnhaftigkeit des Dienstes an der Waffe ist für den Vorzugsschüler nicht nachvollziehbar. Natürlich hätte er auch einen sinnvollen sozialen Dienst in Österreich leisten können, doch die Neugier auf die Erfahrung, in einem fremden Land ohne die gewohnten hohen Lebensstandards benachteiligten Kindern zu helfen, überwog. Über die Don-Bosco-Organisation „Jugend Eine Welt“ wird er 14 Monate in Ecuador Straßenkinder betreuen. In Quito, der Hauptstadt, trat er seinen Dienst am 14. August 2005 an. Was genau auf ihn zukommen wird, weiß er noch nicht. Allerdings ist er auf alles gefasst.
Ecuador zählt zu den ärmeren Ländern in Lateinamerika und hat kein funktionierendes Sozialsystem. Über 50 % der Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt. Viele der Kinder und Jugendlichen sind auf Grund der hohen Arbeitslosenrate der Erwachsenen krank und unterernährt, werden ohne staatliche Hilfe sich selbst überlassen, erreichen kaum das vierte Schuljahr und arbeiten bis zu 40 Stunden in der Woche. Auf der Straße kommen die Kinder meist mit Kriminalität und Drogenkonsum in Kontakt.Das Don-Bosco-Präventivsystem hat sich daher als Ziel gesetzt einem etwaigen „Verstraßungsprozess“ der arbeitenden Kinder und Jugendlichen vorzubeugen. Hauptaktivitäten der Zivilersatzdiener, sind daher die Freizeitbetreuung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen auf der Straße und in Jugendzentren, Spielen und Lernen mit den Kindern sowie Familien- und Schulbesuche. Die Anforderungen an Dominik sind sehr hoch. Zudem hat er im jeweiligen Einsatzort auch keine Möglichkeit zur Supervision. Doch er sieht sich seinen Aufgaben gewachsen und erhofft sich dadurch eine weitere Sichtweise davon, was in der Welt vor sich geht. Die Sprache stellt für ihn kein Problem dar, da er seit sechs Jahren Spanisch lernt. Nach seinem Aufenthalt in Ecuador, will Dominik technische Physik studieren und weiterhin für „Jugend Eine Welt“ tätig sein.