Knapp 4000 junge Menschen aus Österreich pilgerten zum Weltjugendtag nach Köln. Beim „Österreicher-Tag“ in Düsseldorf gab es ein Treffen mit Kardinal Schönborn.
„Die letzten zwei Nächte bevor alles losging, habe ich schlecht geschlafen, weil ich nicht gewusst habe, ob jemand ins Österreicher-Café kommen wird“, sagt Maria Hieslmayr. Die Sorgen der 25-jährigen Koordinatorin der österreichischen Beteiligung am Weltjugendtag waren unbegründet: Die nationale Zentrale entwickelte sich zum beliebten Treffpunkt. Zum „Österreicher-Tag“ kamen mehrere Hundert nach Düsseldorf, um zuerst eine Messe mit Kardinal Christoph Schönborn und österreichischen Bischöfen zu feiern und dann im „Österreicher-Café“ den Abend ausklingen zu lassen. Mit dabei war auch die 13-jährige Lucia mit ihrer Cousine Carmen (16) und deren gleichnamiger Freundin. Die drei Mädchen aus Vorarlberg waren zum ersten Mal bei einem Weltjugendtag. „Es ist anstrengend, aber beeindruckend“, beschreibt Lucia die Stimmung. Ähnlich sieht es auch Kardinal Schönborn: „Es ist erfrischend zu sehen, dass sich so viele Menschen von sich aus die Mühe antun.“ Jugendbischof Lackner ist „positiv erschüttert“ vom Weltjugendtreffen. Er freut sich, dass „der junge Mensch von heute zu großen Begeisterungsstürmen fähig ist, aber auch dazu, in sich zu gehen.“ Denn das konnten die Pilger in den medial naturgemäß weniger beachteten stillen Andachten auch. Es muss ja nicht immer „Be-ne-detto!“ sein.
Höchste Sicherheit
Am Rande
Die große logistische Herausforderung, die der Weltjugendtag an die Veranstalter stellte, wurde mit „deutscher Sorgfalt“ gelöst. Dass es kaum zu größeren Problemen kam, lag an zwei Faktoren: der Besonnenheit der Pilger, die stundenlange Wartezeiten mit einer oft kaum mehr nachvollziehbaren Fröhlichkeit hinnahmen, und an der engagierten Arbeit von Polizei, Sicherheitskräften und Freiwilligen. Mit zeitweiligen Sperren von Straßen, Plätzen und dem Kölner Hauptbahnhof verhinderten sie des öfteren den völligen Kollaps. Unmutsbekundungen waren dennoch kaum zu hören. „Die Stimmung war besser als beim Kölner Karneval – und das ohne Alkohol!“ brachte es ein Polizist auf den Punkt.
Jede Menge Papst-Zeug
„Sie sind gekommen, um ihn anzubeten“. Die Souvenierhändler haben das Motto des Weltjugendtages wohl etwas eigenwillig ausgelegt: Papst Benedikt XVI. war in Köln Einkaufsstraßen allgegenwärtig. Sein Konterfei grüßte von T-Shirts, Halstüchern und Kaffeehäferln. Das Geschäft mit den Weltjugendtag-Souvenirs ging tadellos. Als besonderer Verkaufsschlager entpuppten sich – dem allgemeinen Trend folgend – eigens hergestellte weiße Armbänder aus Latex. Abseits des Angebots an Erinnerungsstücken an Köln 2005 mutete die Kommerzialisierung des Papst-Besuches mitunter seltsam an. Wer Hunger hatte, konnte diesen beispielsweise mit einem leckeren „Papst-Burger“ oder den „Good Wings“ in einem Fast-Food-Restaurant stillen. Heiligenschein inklusive. Ein Elektro-Großmarkt bot eine LED-Leuchte an – mit Papstbild. „Natürlich haben 400.000 Pilger ein wenig Geld mit“, meinte Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma. Im Mittelpunkt sei aber nie das Wirtschaftliche gestanden, sondern die Spiritualität. Und: „Mit zwei Millionen Euro hat die Stadt Köln ja auch einiges investiert.“ Die längeren Ladenöffnungszeiten während des Weltjugendtages in der Innenstadt – bis 22 Uhr – dürften sich nicht rentiert haben. Vor allem nicht für Geschäfte, die auf Papst-Artikel verzichteten. „Hier ist einfach nix los“, meint eine Verkäuferin in einem Kaufhaus für Damenbekleidung. Wüsste sie vom Andrang, der nicht weit entfernt in einer kleinen Boutique herrscht, wäre sie neidisch. Zugegeben: Wenn sich zwischen Playboy-Hasen aus Plüsch „a lot of pope stuff“ – jede Menge Papst-Zeug also – befindet, muss man sich das fast anschauen.