Ausgabe: 2005/41, Kopf der Woche, Stimme der Armen, Maradiaga,
12.10.2005
- Hans Baumgartner
Er ist einer der wichtigsten Sprecher für die Armen der Welt. Am Montag übergab Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga aus Honduras der österreichischen Staatsspitze 31.393 Postkarten mit der Aufforderung „Haltet Wort – Stoppt die Armut!“.
Es ist noch nicht lange her, da stapfte Kardinal Maradiaga an der Seite von Arbeitern durch den Staub einer kleinen Bergwerkstadt, um gegen rücksichtslose Unternehmen zu protestieren. Dass er in seiner Heimat Honduras und weltweit einmal eine der profiliertesten Stimmen gegen die Ausbeutung der Armen durch die „Sklaverei des Geldes und die neoliberale Globalisierung“ sein würde, hat er sich in seiner Jugend nicht erträumt. Damals wollte er Saxophonist in einer Band oder Pilot werden. Musizieren tut er bis heute, mit dem Fliegen wurde es nichts, sagt er, weil er mit 16 Jahren bei den Salesianern Don Boscos eintrat.
Der Beharrliche. Maradiaga (63) studierte in Honduras, Guatemala und Rom Theologie, Physik und Mathematik. In Innsbruck erwarb er das Diplom für klinische Psychologie. 1970 wurde er zum Priester geweiht. Nach einigen Jahren Lehrtätigkeit wurde er 1978 Weihbischof und 1993 Erzbischof von Tegucigalpa. Von 1995 bis 1999 war er Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM. Nach einem Verbrechen der Militärpolizei leitete er 1997 im Auftrag des Parlaments die Neuordnung der Polizei in Honduras. 1999 war er Schirmherr der weltweiten Schulden-erlass-Kampagne (17 Mill. Unterschriften). Für den Vatikan vertrat der achtsprachige Salesianer die Interessen der Armen bei der Weltbank und beim Int. Währungsfonds. In den letzten Jahren wirbt Maradiaga unermüdlich für die Umsetzung der Millenniumsziele.