Jedes Jahr wird die Entschei–dung mit Spannung erwartet: Wer bekommt den prestigeträchtigen Friedensnobelpreis? Heuer präsentierte das fünfköpfige Komitee des norwegischen Reichstages die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) und ihren Generaldirektor Mohammed El Baradei als Preisträger. Man ehre damit deren „Anstrengungen, zu verhindern, dass Atomenergie für militärische Zwecke genützt wird“, und die Bestrebungen der Organisation für die Sicherheit der Atomkraftwerke.
Wenn man sehr wohlwollend ist, kann man die Bemühungen der IAEO und El Baradeis zur Verhinderung des Irak-Krieges auf die Waagschale legen oder die beharrlichen Versuche, den Iran und Nordkorea zur Zusammenarbeit zu bewegen. Man sollte dabei nicht vergessen, dass die IAEO durch ihre Förderung der zivilen Atomtechnologie selbst zur Verbreitung auch militärisch nutzbarer Atomanlagen beigetragen hat.
Die IAEO ist ein klassisches Beispiel dafür, wie Menschen versuchen, den Geist, den sie aus der Flasche ließen, wieder einzufangen. Gewiss wäre die Welt ohne die Arbeit der Experten der IAEO noch unsicherer und die Verbreitung von spaltbarem Material für militärische und terroristische Zwecke noch leichter. Andererseits dient die vom mächtigen Atomkartell beherrschte IAEO auch als Feigenblatt, um das Risiko der Atomtechnologie zu verharmlosen. Man hat das beim Tschernobyl-Supergau ebenso getan, wie man es laufend bei der ungelösten Endlagerfrage tut – und bei den Zehntausenden Menschen aus den armen Ländern, die bei der Urangewinnung jährlich ihre Gesundheit opfern.