Christbaumkugeln und Weihnachtsstollen: all das ist um diese Zeit längst zu haben. Aber darüber rege ich mich nicht mehr auf. Der Advent ist produktmäßig unerschöpflich. Sehnsucht nach Licht. Liebe. Geborgenheit. Sinn. Da hat soviel Platz im Regal. Stellvertretend natürlich, aber immerhin. Der Materialschlacht im Supermarkt folgt eine am freien Markt der Religionen und Weltanschauungen. Der Advent wird auch im nichtmateriellen Sektor Gewinnbringend gehandelt. Wie wär’s mit einem „Advent-Seminar“ zur Leistungssteigerung in einem Mühlviertler Hotel? Thema: „Selbstankunft im Advent. Erkenne dich und deine Ziele – damit 2006 dein bestes Jahr wird!“ Dazu gibts ein „Lebensscript und begleitendes Coaching“ um läppische Euro 380,– für 2 1/2 Tage. Haben wir Christen hier etwas versäumt? Ist unsere Sprache zu antiquiert? Sind wir zu sehr der Tradition verpflichtet, zu weit weg von den Menschen? Brauchen wir mehr Marketing? Oder: Sind wir einfach zu billig? Ein Blick auf die spirituellen Angebote der Diözese Linz zeigt: gut begleitet bei sich Ankommen kann man auch günstiger. „Du bist begnadet“ nennen sich z. B. Exerzitien zum Beginn des Kirchenjahres im Stift St. Florian. Mit dieser Zusage fällt die Selbsterkenntnis gleich viel leichter.