Ausgabe: 2005/42, Kopf der Woche, Ferstl, Stellvertreter der Armen
20.10.2005
Alle zwei Jahre treffen sich Österreichs Diakone zum gemeinsamen Austausch. Am letzten Wochenende war das im Bildungshaus Puchberg der Fall. Franz Ferstl aus Wiener Neustadt ist Sprecher der Diakone in Österreich.
„Was du machst, das ist ja eigentlich schon Diakonat.“ So ermunterte sein damaliger Chef, Weihbischof Florian Kuntner, seinen Sekretär Franz Ferstl. Das war vor 20 Jahren. Ferstl wurde Diakon. Verheiratet, vier Kinder. Diakone sind Kleriker, können aber verheiratet sein. Zuvor war Ferstl Entwicklungshelfer in Neuguinea gewesen. Die Anliegen der Weltmission sind ihm bis heute Aufgabe – als Referatsleiter für Mission in der Bischofskonferenz. Der nunmehrige Linzer Bischof Dr. Ludwig Schwarz war sein Chef. Sein Diakonat übt Ferstl, wie auch die anderen Diakone, ehrenamtlich aus, und zwar in seiner Pfarre Herz Mariä in Wiener Neustadt. „Diakone sind Menschen, die der Liebe Gottes ein Gesicht geben.“ Dieses Wort des verstorbenen Papstes fasst für Ferstl gut zusammen, was Diakonat bedeutet. Er verdeutlicht das: „Der Diakon ist Stellvertreter der Armen in einer Pfarre, nicht der des Pfarrers!“
Außenminister. In Namibia ist ein Diakon Tourismusminister. Für die Rolle der Diakone in Österreich wünscht sich Ferstl auch eine politische Akzentsetzung: „Der Diakon muss der Außenminister in der Pfarre sein, der auf Fremde zugeht.“ Auf jene also, die nicht zum inneren Kern gehören, auf Menschen, die Hilfe brauchen. Eigentlich, so Ferstl, bräuchte in diesem Sinne jede Pfarre einen Diakon. Diakon – das ist für Ferstl natürlich auch ein geistliches Amt. Diakone sind Seelsorger. Was diese sagen, sollte nicht nur stimmen. Es sollte tragen.