In den 70er und 80er Jahren gab es zu den Ad-limina-Besuchen der Bischöfe auch immer Berichte über die gesellschaftliche Wirksamkeit der Kirche Österreichs. Gäbe es diesen Bericht auch heuer, wäre die Bilanz durchwachsen. Zunächst hat die Kirche durch ihr eigenes Zutun viel an gesellschaftlicher Glaubwürdigkeit eingebüßt und erholt sich davon erst langsam. Politisch hat die Kirche in der Asylfrage und bei der Pensionsreform (Benachteiligung der Frauen und der Jungen) wenigstens Entschärfungen erreicht. Das Kinderbetreuungsgeld und die Einführung der Sterbe-Karenz sind Erfolge. Ihre Rufe zur Bekämpfung der Armut und Arbeitslosigkeit sind echolos verhallt.
Hans Baumgartner
Auch „Illegale“ sindMenschen!
Ob in Ceuta, an der spanisch-marokkanischen Grenze, ob in Linz oder am Flughafen von Amsterdam: drei Orte, die eines gemeinsam haben. In nicht einmal vier Wochen sind dort 21 Menschen ums Leben gekommen, weil sie an der EU-Grenze gescheitert sind. Ob am Zaun in Nordafrika oder in der Schubhaft dahinter. Schockierend sind auch Berichte aus dem nach außen hin als modern erscheinenden Gefängnis in Amsterdam. Erste Hilferufe der Abzuschiebenden, von denen elf in den Flammen ums Leben gekommen sind, seien nicht einmal ernst genommen worden. Wie es den Anschein hat, nimmt selbst jetzt in ganz Europa niemand die Toten von Ceuta, Linz oder Amsterdam wahr. Wie ein überkommenes Gebot klingt die Forderung der niederländischen Kirchen: auch die Menschenrechte illegaler Einwanderer zu achten.