Ausgabe: 2005/45, Kopf der Woche, Otto-Maurer-Preis, Baumgartner, Jun Yang, Kunst,
09.11.2005
- Hans Baumgartner
Zum 25. Mal wird heuer der Otto-Mauer-Preis für junge Künstler vergeben. Ausgezeichnet für sein bisheriges Werk wird der in China geborene Österreicher Jun Yang.
Msgr. Otto Mauer war eine der prägenden Gestalten der Nachkriegskirche in Österreich. Sein brennendes Interesse an den Fragen der Zeit hat ihn auch zum Förderer junger Künstler gemacht. Das Stellen von Fragen, das Sichtbarmachen von Hintergründen, das Bloßlegen von Strukturen, die oft übersehen werden, ist auch das Anliegen der Kunst von Jun Yang. Otto Mauer sei für ihn daher auch ein forderndes Vorbild. „Kunst und Religion sind seelenverwandt“, meint Jun Yang. „Das sind jene Bereiche, wo die grundlegenden Fragen der Menschen gestellt werden dürfen, wo über sie nachgedacht, um sie gerungen werden kann.“
Wer bin ich? Jun Yang ist 1975 in China geboren. 1979 wanderten seine Eltern aus politischen und wirtschaftlichen Gründen aus und erhielten ein Visum für Österreich. „Damals ging das noch legal, heute müsste man viel Geld an Schlepper zahlen und hier vermutlich illegal leben“, verweist Yang auf eine Entwicklung, die er für falsch hält. Im neuen Tiroler Landhaus hat er mit der Gestaltung des Besucherraumes für Staatsbürgerschaftswerber eine Art Gegenentwurf zu einer sich zunehmend verhärtenden „Festungsmentalität“ umgesetzt – mit einem roten Willkommensteppich und einem Österreich-Legospieltisch für Kinder, an dem jeden Tag neue Landschaften und Heimatbilder entstehen können. Kulturelle Identität, die Begegnung mit dem anderen, Zugehörigkeit und Beheimatung sind die zentralen Fragen, denen Jun Yang mit vielfältigen Stilmitteln nachgeht.