Mehr als 300.000 Menschen waren im Oktober arbeitslos gemeldet. Tatsächlich liegt die Zahl um einiges höher, da viele Wiedereinsteiger/innen, Schul- und Uniabsolvent/innen oder Sozialhilfeempfänger/innen in der Statistik gar nicht erfasst sind. Das ist aber nicht bloß eine Frage der statistischen „Ehrlichkeit“, sondern eine existentielle Zukunftsfrage. Denn wer in der „offiziellen“ Statistik nicht aufscheint, bekommt auch keine Förderung durch das Arbeitsmarktservice. Was in den vergangenen Wochen erfolgreich für die Schaffung zusätzlicher Lehrstellen gemacht wurde, brauchen längst auch andere Gruppen, um überhaupt eine Chance zu haben, Arbeit zu bekommen.
Hans Baumgartner
Frankreich: Bilder wie im Bürgerkrieg
Noch weiß niemand, ob die an einen Bürgerkrieg erinnernden Bilder aus französischen Vorstädten den Höhepunkt zeigen oder ob sie erst den Auftakt einer noch schrecklicheren Gewalt darstellen. Eines jedoch ist sicher: es wurde noch mehr angezündet, so lange sich die staatliche Antwort in Gegengewalt erschöpfte. Und noch mehr kamen zu den Straßenkrawallen, solange der Innenminister persönlich die Jugendlichen ohne Zukunftschancen als „Gesindel“ abstempelte. Wenn Paris nun den Gewaltexzessen scheinbar hilflos gegenübersteht, dann gilt das auch als Warnung. Die sozialen Spannungen in den Vorstädten waren seit langem bekannt. Aber Spezialpolizei hat dort die Menschen in Schach gehalten und weiter ausgegrenzt, statt durch Sozialarbeit den Kontakt zu ihnen aufzubauen und sie einzubinden.