Ausgabe: 2005/46, Sozialromantiker, Meinung, Staatsbürger, Gesetz, Islam, Pluralismus, Islam in einer pluralistischen Welt
17.11.2005
Inkompetente Sozialromantiker?
Caritas und Diakonie waren sich in ihrer Kritik einig: Das von der Regierung geplante Staatsbürgerschaftsgesetz ist ein Staatsbürgerschafts-Verhinderungsgesetz. Doch die Kritik aus den Reihen der Kirchen schien zunächst kaum auf Gehör zu stoßen. Die einst von Nationalratspräsident Andreas Khol geäußerte Meinung, dass in den Kirchen inkompetente Sozialromantiker am Werk seien, scheint noch immer in den Köpfen mancher Politiker/innen festzusitzen. Erst nachdem auch das Bundeskanzleramt, das Sozial- und Bildungsministerium und die Rechtsanwaltskammer das geplante Staatsbürgerschaftsrecht kritisiert hatten, haben Innen- und Justizministerium die ärgsten wahltaktisch motivierten Stolpersteine weggeräumt.
Hans Baumgartner
Echter Dialog statt„Show-Konferenz“
Das Thema ist brisant, das diese Woche Persönlichkeiten aus aller Welt ausgerechnet nach Wien führt. „Islam in einer pluralistischen Welt“ heißt die Konferenz, zu der sich neben hochrangigen Politikern auch Religionsvertreter treffen. Auf den ersten Blick spräche einiges dafür, sie als „Show-Konferenz“ abzutun. Doch hinter dem Engagement des Außenministeriums steht mehr als nur die Reaktion auf eine Krise. Bereits 1992 gab Außenminister Alois Mock den Anstoß zum christlich-islamischen Dialogprozess. Dem Steyler-Missionar Pater Andreas Bsteh ist es seither gelungen, dass gegenseitig eine Kultur des Aufeinanderhörens und des Miteinandersprechens gewachsen ist. Eine Qualität, die vor allem in der westlichen Welt gegenüber dem Islam seit 9/11 vermisst wird.