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„Ritus muss dem Menschen dienen, nicht umgekehrt“

Pinsdorf: Trauerfamilien schätzen personenbezogene Gestaltung von Begräbnisfeiern
Ausgabe: 2006/46, Ritus, Trauerfamilie, Pinsdorf, Begräbnis, Feier, Pumberger
15.11.2006
- Christian Ortner
Nicht sinnleere Riten, sondern das Leben der Verstorbenen solle bei Begräbnissen im Mittelpunkt stehen, meint der Pinsdorfer Pfarrassistent Gerhard Pumberger. Angehörige können durch einfühlsam und persönlich gestaltete Trauerfeiern wieder Halt finden.

Im Schnitt alle zwölf Tage geleitet Gerhard Pumberger einen Menschen auf seinen letzten Weg: Um die 30 Begräbnisse hat der Pfarrassistent in Pinsdorf jährlich abzuwickeln. Von Routine zu sprechen, wäre dennoch eine Fehleinschätzung. Pumberger legt Wert darauf, dass jedes Begräbnis auf die betreffende Person abgestimmt ist. Nicht der liturgische Ritus habe im Mittelpunkt zu stehen, sondern „der Mensch mit seinem Gott“, so der Pfarrassistent. Da eine Bestattung eine intime Angelegenheit sei, müsse auch die Atmosphäre auf den Verstorbenen und sein Umfeld Rücksicht nehmen.

Persönliche Schätze. Konkret heißt das: Persönliche Gebrauchsgegenstände, Episoden, Angehörige oder passende Musik werden in die Feier einbezogen. Im Fall eines Pinsdorfers etwa, der sich mit Hingabe seiner Krippe und den dazugehörigen 360 Figuren gewidmet hatte: Pumberger würdigte den Verstorbenen, indem er die Bedeutung von sieben typischen Krippenfiguren auf das Leben des Mannes übertrug. Ein anderes Mal deckte die Tischdecke einer Verstorbenen den Altar. Pumberger sieht darin auch die „anschauliche Anknüpfung der Kirche an die Lebenswelt der Menschen“. Es könne durchaus vorkommen, dass ein Handy, ein Schraubenzieher oder eine Kaffeetasse am Altar oder am Sarg stehe.

Näher zum Glauben. Um einfühlsam auf jeden Menschen eingehen zu können, sei es unerlässlich, mit den Hinterbliebenen zu sprechen und sich in das Leben des Verstorbenen hineinzuversetzen. „Dazu gehe ich in sein Haus, in den Garten und versuche zu spüren, was ihm wichtig war“, sagt Pumberger.
In einer Befragung drücken die Trauerfamilien ihre Wertschätzung gegenüber dieser offenen Gestaltung der Begräbnisfeiern aus. Pumberger glaubt, damit auch kirchlich Fernstehende für die christliche Botschaft gewinnen zu können. Zurecht, wie die Reaktion eines Trauernden auf dem Befragungsbogen zeigt: „Herr Pumberger hat mich ein Stück näher zum Glauben gebracht.“
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