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Von Cardijn können wir lernen

Er begeisterte die Jugend und kämpfte für die Würde der jungen Arbeiterinnen und Arbeiter: Vor 50 Jahren starb der Priester Joseph Cardijn. Sind seine Ideen heute noch aktuell?
Ausgabe: 2017/45
07.11.2017
- Christine Grüll
© ©goodluz - stock.adobe.com
Hubert Gratzer war 15 und Lehrling in einem Betrieb, als er eine lebensprägende Erfahrung machte. „Ich habe erfahren, dass ich wertvoll bin und an meinem Platz einzigartig und dass ich hier das verwirklichen kann, was mir aufgetragen ist und was mir mein Glaube sagt“, erzählt Hubert Gratzer. Sein Umfeld war von den Lehren Joseph Cardijns geprägt. Der belgische Priester und spätere Kardinal hatte bereits vor dem Ersten Weltkrieg begonnen, die Anliegen junger Arbeiter/innen ernst zu nehmen und sie für den Glauben zu begeistern. Diese Begeisterung hat Hubert Gratzer Ende der 1970er Jahre gespürt – und er tut es bis heute. Zum 50. Todestag von Joseph Cardijn findet in Linz ein Gedenk- und Dankgottesdienst statt. Das nimmt Hubert Gratzer zum Anlass, Cardijns Ideen in den Blick zu nehmen.

Würde und Verantwortung


„Cardijns Konzept in den 1920er Jahren lautete: Die Kirche muss mit den Arbeiterinnen und Arbeitern gehen. Das gilt heute noch: Wir müssen weit über die Grenzen hinausgehen, hinein in die Arbeitswelt.“ Der studierte Soziologe Cardijn lernte bei zahlreichen internationalen Reisen verschiedene Arbeitswelten kennen. Daraus entwickelte er sein pädagogisches Konzept, in dem jugendliche Arbeiter/innen Würde, Verantwortungsbewusstsein, Werte und Bildung erfahren. Sich um junge Menschen zu kümmern, ist Beziehungsarbeit und braucht einen langen Atem, sowohl für die Begleitenden als auch für die Jugendlichen. Hubert Gratzer weiß, dass das in der modernen Gesellschaft nicht einfacher geworden ist.

Laienapostolat und Religionen


Jeder kann Apostel sein, mit diesem Anspruch sorgte Joseph Cardijn schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil für Aufregung. Bereits 1947 wurden in Österreich Schulungen zum Laienapostolat gehalten. Mit dem Konzil Anfang der 1960er Jahre, in dem ­Cardijn wesentlich mitgearbeitet hat, wurde das Laienapostolat schließlich offiziell. Es verdiene, weiterentwickelt zu werden, so Hubert Gratzer, und stellt die Frage in den Raum: Braucht es unbedingt eine Weihe, um Moderator einer Pfarre sein zu können? Neben dem Laienapostolat steckte Cardijn viel Energie in die Ökumene und den Dialog mit anderen Religionen. Denn bei seinen über 60 Reisen innerhalb Europas und weltweit kam er mit anderen Religionen in Kontakt. Bei einer Feier in Australien waren anglikanische, presbyterianische und buddhistische Würdenträger anwesend. Ein starkes Zeichen.

Vorbild


Joseph Cardijn war eine umstrittene Persönlichkeit. Seine Sorge um die Arbeiter/innen-Jugend, die bis dahin keinen Platz innerhalb der Kirche hatte, hat ihm Kritik von kirchlicher und gewerkschaftlicher Seite eingebracht – Letztere fürchtetet um die Abwanderung ihrer Klientel. Das hat ihn nicht abgeschreckt. „Von Cardijn können wir lernen, wie gesellschaftliche Verantwortung von Kirche in der Welt ausschauen kann, indem sie den Menschen hilft“, so Hubert Gratzer. Joseph Cardijn ist für ihn wegen seiner Werte und Aktionen ein Vorbild. „Ihn zu vergessen, das wäre eine Katastrophe.“

Einsatz für die Jugend

Joseph Cardijn, 1882 bis 1967, war ein belgischer Priester und Kardinal, der vor dem Ersten Weltkrieg die internationale Christliche Arbeiterjugend (CAJ) mit dem Leitsatz „Sehen – Urteilen – Handeln“ gründete. Bischof em. Maximilian Aichern hat während seiner Amtszeit gemeinsam mit der Katholischen Arbeit/nehmerinnen Bewegung Österreich um dessen Seligsprechung angesucht. Archiv

Gottesdienst und Seminar

Am Sonntag, 12. November 2017, 9.30 Uhr findet im Pfarrzentrum Marcel Callo, Schörgenhubstraße 39 in Linz ein Gedenkgottesdienst mit Bischof Scheuer und Bischof em. Aichern statt. Am Dienstag, 30 Jänner 2018 laden Katholische Jugend und Betriebsseelsorge OÖ zu einem Forschungsseminar über Jugend am Rande der Gesellschaft.
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