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Die Familienfreundin

Eine familienfreundliche Gemeinde hat die Bedürfnisse aller Generationen im Blick. Das soll den Ort beleben und der Abwanderung vorbeugen. Kann das gelingen?
Ausgabe: 2017/47
21.11.2017
- Christine Grüll
Wippenham hat keinen Kindergarten. Aber die Innviertler Gemeinde darf sich als familienfreundlich bezeichnen. Das ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. Denn die Wippenhamer Kindergartenkinder pendeln in den Nachbarort. Dafür kommen die Senftenbacher Kinder in die Volksschule Wippenham. „So hat jeder Kinder im Ort, und das sorgt für Leben in der Gemeinde“, sagt Roswitha Schachinger, Bürgermeisterin von 550 Einwohner/innen. Arbeit finden sie in den Betrieben im Umland. Sie engagieren sich in Gruppen und Vereinen, von Feuerwehr über Musikverein bis hin zur Pfarre. Jugendarbeit wird groß geschrieben. Die Gemeinde stellt jungen Menschen außerdem einen Raum zur Verfügung. Der Schulhof wurde neu gestaltet, Mittagsbetreuung entlastet berufstätige Eltern. Junge Familien sollen mit günstigem Bauland im Ort gehalten oder angelockt werden. „Familienfreundlich sein heißt, miteinander zu reden und nicht nur in der eigenen Alters- und Interessensgruppe zu bleiben“, sagt Roswitha Schachinger. 

Gütesiegel


Genau das will das Familienministerium mit der Initiative „Familienfreundliche Gemeinde“ in Gang bringen. Über 400 Gemeinden in Österreich haben sich bisher daran beteiligt. Gemeinden werden dabei begleitet, familienfreundliche Maßnahmen festzustellen und neue Modelle zu entwickeln. Das geschieht in einer Projektgruppe, in der alle Generationen und Fraktionen vertreten sind. Eines der Ziele ist, Ansiedlung zu fördern und Abwanderung zu stoppen. Ein Ziel, das die Gemeinde Windhaag bei Freistadt gerne erreichen würde.

Gegen die Abwanderung


„Unsere Infrastruktur ist besser als in manchen Orten im Zentralraum, aber wir sind durch lange Anfahrtswege benachteiligt“, sagt Bürgermeister Erich Traxler. Die Gemeinde nahe der tschechischen Grenze hat 1600 Einwoh­ner/innen. Zur Ausbildung und zur Arbeit fahren sie nach Freistadt und Linz. In Windhaag gibt es günstige Baugründe, einen Nahversorger und einen Freizeitteich, Bildungsangebote für Eltern, Kultur für Kinder und Kinderbetreuung sowie eine Tagesbetreuung für Seniorinnen und Senioren. Ältere Leser/innen zahlen in der gut genützten Bibliothek zeitweise keine Entlehnungsgebühr. Wie in Wippenham, so hat auch in Windhaag das Engagement in Pfarre und Vereinen einen besonderen Stellenwert – und hier liegt das eigentliche Geheimnis von Familienfreundlichkeit: Ein reges Vereins- und Pfarrleben prägt Kindheit und Jugend. Wer das erfahren hat, bleibt oder kehrt nach der Ausbildung gerne zurück. Das beobachten beide, Erich Traxler und Roswitha Schachinger. „Geld spielt nur eine geringe Rolle, damit ein Ortsleben funktioniert“, sagt die Bürgermeisterin: „Es liegt an den Menschen, im Ort über den eigenen Tellerrand zu schauen. «
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