Begegnungen und Freude, Trennungen und Schmerz, neue Chancen und Wege – im Laufe eines Jahres kann viel passieren. Ein Rückblick darauf ist eine gute Möglichkeit, versöhnlich mit der Vergangenheit abzuschließen und unbelastet die Tür für die Zukunft zu öffnen.
„Ich sammle meine Schätze ein“, so nennt es Barbara Pachl-Eberhart, wenn sie auf das vergangene Jahr zurückblickt. Und so nennt sie auch ihre Workshops, in denen sie Anregungen und Ideen weitergibt, wie man ebensolche Rückblicke zu Papier bringt.
Erfüllend
Eine Rückschau ist eine großartige Möglichkeit, sich an Vergangenes zu erinnern. „Wer Erinnerungen belebt, macht sie damit für sich haltbar“, erklärt die Autorin, „sich zu erinnern ist ein ganz grundsätzlicher Wunsch vieler Menschen.“ Musik, Bilder, Filme – vieles kann Anknüpfungspunkt für Erinnerungen sein. Schließlich lösen Erinnerungen selbst, wie in einer Kettenreaktion, weitere Erinnerungen aus.
Sinngebend
Mit einer Rückschau kann man auch die Frage: „Wohin hat mich dieses Jahr geführt?“, beantworten. „Wo war ich am Anfang des Jahres? Wo war ich vor zwei Jahren und wo stehe ich heute? Wer sich diese Fragen beantworten kann, schafft es auch leichter, mit schlechten Erinnerungen und negativen Ereignissen umzugehen. Betrachtet man alles in einem größeren Rahmen, erkennt man eher einen Sinn darin“, für Barbara Pachl-Eberhart hat dieses Aufarbeiten aus ihrer eigenen Lebensgeschichte heraus einen ganz besonderen Stellenwert.
Keine Angst vor dem weißen Blatt
„Wie soll ich anfangen?“, das ist die Frage, die die Kursteilnehmer/innen am häufigsten stellen. Sie wäre keine Expertin, hätte Barbara Pachl-Eberhart darauf nicht ein paar Antworten. Versuchen Sie, jeden Monat mit einem ganz persönlichen Begriff zu versehen. Notieren Sie: „Was hat mich im Mai beschäftigt, worüber habe ich mich im August gefreut, was ist mir im Oktober so richtig gut gelungen und worüber habe ich mich im November besonders geärgert?“ Jedes einzelne Wort ist ein möglicher Beginn für das Niederschreiben. Eine Collage, gezeichnet oder aus Wörtern bestehend, die einzelne Erlebnisse aus dem letzten Jahr widerspiegelt, hat jede Menge Impulse in sich, die am Beginn eines Textes stehen können. Mehr als nur eine Lockerungsübung ist für die Trainerin der Versuch, sich zunächst bildhaft auszudrücken. „Welche Pflanze steht für das vergangene Jahr?“ Auch daraus kann man sprachlich viel entwickeln.
Ein Wort ist schon sehr viel
„Die literarischen Anforderungen an sich selbst sind meist zu hoch“, lächelt Barbara Pachl-Eberhart. Anstatt ausgefeilte Sätze zu formulieren, rät sie zu weniger Text, der dafür berührt und ins Herz geht. Ob man sich für Stunden zurückzieht oder jeden Tag ein paar Worte aufschreibt, ist individuell sehr unterschiedlich. „Gerade im Advent könnte man jeden Tag etwas notiren und diesen Schatz in Zündholzschachteln aufbewahren.“ Wer allerdings in dieser dunklen Jahreszeit lieber in die Leichtigkeit des Sommers entfliehen möchte, kann das in Form von Erinnerungen an den Urlaub machen. „Mir hat das Schreiben jedenfalls gezeigt, dass ich mehr bin als meine Erinnerungen. Ich kann sie aufschreiben, ich kann darauf schauen und ich kann darüber hinauswachsen“, sagt die Autorin.