In der Reihe Kunst & Geschichte_n stellt Experte Lothar Schultes Persönlichkeiten vor, die in Kunst und Geschichte wichtige Spuren in Oberösterreich hinterlassen haben.
Die abschlossene Reihe "alt & kostbar" finden sie hier.
Ihr Konzertabend steht unter dem Motto „Amore! Amore!“. Braucht die Welt nicht ohnehin mehr Liebe, mehr Friedfertiges, mehr Versöhnliches? Was können Musik, Kunst und Kultur dazu beitragen?
Diana Damrau: Musik und Kultur haben eine tragende Aufgabe in der Gesellschaft. Wir müssen unsere Kultur schützen. Ich bin immer entsetzt, wie stiefmütterlich Musik und Kultur behandelt werden. Man sollte einmal Politiker gemeinsam im Orchester spielen lassen oder im Chor singen. Kultur ist Kommunikation, heißt auch zuzuhören. Das kann man von der Musik lernen. – Musik, Kunst, Kultur: das ist keine Dekoration, keine Behübschung, kein Hobby, das macht unser Dasein aus! Hier passiert etwas Wesentliches, das gehört zu unserem Menschsein. Jeder Mensch fängt zum Singen oder Tanzen an, wenn er oder sie glücklich ist.
Was kann Musik bewirken – für den Einzelnen und für die Gesellschaft?
Diana Damrau: Musik verbindet. Sie ist die Sprache der Gefühle, der Seele, sie ist Medizin. Wir sind ein Musikinstrument. Die Musik, der Gesang verbindet uns mit uns selbst, lässt uns auch ein bißchen nachdenken. Wenn man in sich aufgeräumt hat, kann man auch wieder offener sein für andere. Den anderen sehen ist gerade jetzt, in dieser schwierigen Zeit, besonders wichtig. Ich habe das zum Beispiel in einer Integrationsschule in meinem Freundeskreis so erlebt: Alle sprechen verschiedene Sprachen, aber ein Lied in deutscher Sprache können trotzdem alle gemeinsam singen und dann singt noch jeder ein Lieblingslied in seiner Sprache. Da entsteht Gemeinschaft. Mit Musik bringt man die Menschen zusammen.
Ihr Programm bei Klassik am Dom umfasst alles: das erste Verliebtsein bis zu dramatischer Leidenschaft. Verzweiflung und Scheitern gehören wohl auch dazu. Was ist Ihnen bei der Gestaltung des Abends wichtig?
Diana Damrau: Es geht darum, in dieser unglaublichen Location, in der Natur und Open Air mit dem Publikum live eine Sommernacht mit OpernweltKlassikern zu erleben. Das Motto „Amore! Amore!“ sollte uns leiten. Was in der Musik immer mitschwingt, ist die Seele, die Liebe, das Menschliche. Das ganze Spektrum der Liebe wird erklingen – und mit dem tollen Tenor Pavol Breslik kann man in die Vollen gehen.
Im Zentrum stehen unvergessliche Arien und Duette aus Meisterwerken des Opernrepertoires: Aus La Bohème von Giacomo Puccini darf das innige Liebesduett „O soave fanciulla“ nicht fehlen. Einen besonderen Akzent bilden Interpretationen der berühmtesten Liebesgeschichte der Literatur: des ikonischen Liebespaares Romeo und Julia. Dann kommt aus Rigoletto das Duett des Herzogs mit der unschuldigen Gilda, die von ihm verführt wird, und die Oper „Manon“ von Jules Massenet, die von toxischer Liebe erzählt, die tragisch endet. Das Wienerische, der Walzer werden auch vorkommen – ein Abend zum Träumen, Weinen, Lachen und Spüren.
Sie stehen bei Klassik am Dom bei einem Open Air als Opernsängerin auf der Bühne. Was kann das?
Ich bin ein Theatertier, ich liebe die verschiedenen Rollen! Hier wird es kein An-der-Rampe-Stehen und Absingen geben. Wir werden das Publikum hineinziehen, mitnehmen. Ich mag an Open-Air-Konzerten, dass man mit der Natur verbunden ist, der Wind weht einem um die Nase.
Linz liegt zwischen Salzburg und Wien. Haben Sie schon öfter in Linz Halt gemacht?
Diana Damrau: Ich war zum Beispiel mit Jonas Kaufmann im Brucknerhaus, ein sehr schönes Konzerthaus an der Donau. Und ich habe mir die Bilder von Klassik am Dom angesehen: Das ist eine unglaubliche Location mit dem Mariendom, der dann auch beleuchtet ist ... und dazu noch der Sternenhimmel! Das wird groß!
Zu Ihrem Genre gehören Liederabende, Operetten, Oper und Open-Air-Konzerte. Welchen Anspruch haben Sie als Sängerin?
Diana Damrau: Das kommt immer darauf an, in welchem Kontext man spielt und auftritt. Von modernen Inszenierungen bis zu Klassischem: Ich genieße alles, was ich machen darf. Immer kann es nicht nur lustig sein, ich gebe nicht nur die Pippi auf der Bühne. Man muss auch mal anecken, der Gesellschaft ein Spiegelbild bieten.
Ich gebe auch eigene Liederabende mit Werken von Komponisten und Komponistinnen, ein Abend nur mit Komponistinnen steht noch aus. Ich liebe zudem Kirchenmusik, da geht es auch darum, vor dem ganz Großen zu sein. Hier erlebe ich auch viel Dankbarkeit: Was darf ich kleines Menschlein hier alles machen?
Ihre Stimme ist Ihr Instrument. Wie gehen Sie angesichts der Fülle an Verpflichtungen mit Ihrer Stimme um? Worauf achten Sie?
Diana Damrau: Ich muss immer wachsam sein und auf meine Technik achten. Der Körper verändert sich immer. All das hat Auswirkungen. Man muss alles zu seiner Zeit machen. Man wählt Rollen, die man bewältigen kann. Man kann nicht alles auf einmal machen, so kann sich die Stimme entwickeln. Man braucht auch gute Berater, aber am wichtigsten ist, bei sich zu bleiben.
Das Gespräch führte Elisabeth Leitner
Die Kirchenzeitung ist Veranstaltungspartnerin von Klassik am Dom. Abonnent:innen erhalten 10 % Ermäßigung auf Konzerttickets mit der Vorteilskarte. Infos dazu: www.kirchenzeitung.at/klassikamdom
Deutsche Sopranistin
Seit ihrem Bühnendebüt vor 25 Jahren ist die Sopranistin Diana Damrau, geboren 1971 in Günzburg, ständiger Gast bei internationalen Opern- und Konzerthäusern sowie renommierten Musikfestivals. Auf den Bühnen der Metropolitan Opera in New York, der Wiener Staatsoper, der Mailänder Scala und der Bayerischen Staatsoper begeistert sie Publikum und Presse gleichermaßen.
Ihr Repertoire reicht von Mozart und Verdi über Richard Strauss bis hin zu zeitgenössischen Komponist:innen.
Auch als Lied- und Konzertsängerin ist sie gefragt. Auf ihrem aktuellen Album „Operette – Wien, Berlin, Paris“ zeigt sie ihre Leidenschaft für dieses funkelnde Genre.
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