Prächtige Reliquien sind Zeugnisse der Volksfrömmigkeit
Ausgabe: 29/2011, Hand, Annae, Hochaltar, Schutz, Unheil, Anna
04.08.2011
Am 1881 angefertigten Hochaltar der Pfarrkirche in Eberstalzell sind zwei Tafelreliquiare zu sehen, in einem befindet sich eine wächserne Hand. Es ist eine Kopie der angeblichen Handreliquie der hl. Anna, der Mutter Mariens. Diese Reliquie stand im Ruf der Wundertätigkeit. 1643 schenkte Maria Anna, Königin von Portugal, diese dem Kloster in der Wiener Annagasse.
Schutz und Hilfe. Reliquien sollten gegen Krankheiten helfen sowie vor Unheil schützen. Ein winziges Stück genügte, um die Heiligkeit wirken zu lassen. Von besonders begehrten Reliquien wurden Kopien angefertigt und am Original „anberührt“ – somit ging die Heilkraft auch in das Abbild über. Wachskopien der „heiligen Hand“ und Andachtsbilder waren beliebte Amulette werdender Mütter. Anna wird aber auch als Patronin unter anderem von Hausfrauen, Witwen, Spitzenklöpplern und Seilern angerufen. Anna soll für eine glückliche Heirat und Kindersegen sorgen und beim Wiederauffinden verlorener Sachen helfen.
Viel verehrt. Das Annenfest wird am 26. Juli gefeiert. In der Barockzeit förderten besonders die Habsburgerinnen die Verehrung der hl. Anna, daher wurde Anna ein häufiger Vorname. Annaberg in Niederösterreich gehört zu den wichtigsten Wallfahrtsorten. Aber auch in Oberösterreich zeugen zahlreiche Annenpatrozinien von der Bedeutung der Marienmutter, zum Beispiel in Steyr, Kirchschlag und Julbach. Selbst wenn wir heute den Reliquienkult kritisch betrachten und vielleicht sogar belächeln, so sollten wir der Frömmigkeit unserer Vorfahren mit Respekt begegnen und die prächtig gestalteten Reliquiare pflegen und erhalten.ꆱ