Sima Samar lebt in einem vom Krieg zerrütteten Land. In Afghanistan kämpft die Ärztin für Frauen- und Menschenrechte. Am 7. Dezember wird sie mit dem Alter-nativen Nobelpreis ausgezeichnet.
„Unsere Gesetze und unsere Rechtsprechung bieten Frauen keinen Schutz“, sagt Sima Samar in einem ARD-Interview. In Afghanistan, einem von Krieg gezeichneten Land, stehen Frauen an zweiter Stelle. Ihre Rechte werden massiv eingeschränkt. Zugang zu Bildung ist ihnen oft verwehrt. Dagegen kämpft die afghanische Ärztin seit vielen Jahren an – und erhält deshalb auch immer wieder Todesdrohungen.
Mutig und bescheiden. Nach Abschluss ihres Medizinstudiums an der Universität Kabul 1982 arbeitet Samar zunächst am staatlichen Krankenhaus der Stadt. Während der sowjetischen Intervention in Afghanistan wird ihr Mann verhaftet und ist seither verschollen. 1984 flieht sie mit ihrem Sohn nach Pakistan, arbeitet im Missionshospital in Quetta und betreut dort afghanische Flüchtlinge, vor allem Frauen. Die engagierte Ärztin gründet 1989 die Shuhada-Organisation, die mittlerweile 15 Krankenhäuser und Ambulanzen in Afghanistan und mehr als 100 Schulen in Afghanistan und Pakistan betreut. Nach ihrer Rückkehr von Pakistan nach Afghanistan 2001 ist Sima Samar bis 2002 politisch tätig. Sie gründet das erste Ministerium für Frauenangelegenheiten und wird in der ersten Übergangsregierung Stellvertreterin von Präsident Hamid Karsai. Seit 2002 ist sie Vorsitzende der unabhängigen Menschenrechtskommission von Afghanistan und setzt sich mutig und entschlossen für Menschenrechte ein. Die 55-Jährige meint bescheiden, dass sie keine außergewöhnliche Arbeit geleistet hat, dass jedoch die Umgebung, in der sie arbeitet, „wirklich sehr schwierig ist“.