Man muss nahe an die Dinge herangehen, wenn man nur eine Kerze als Leuchte hat. Doch in unserer Welt hat man sich daran gewöhnt, dass alles ausgeleuchtet sein muss. Die Scheinwerfer und Bildschirme des modernen Lebens reichen in die entlegensten Winkel, sogar über die Erde hinaus. Man weiß und erfährt viel. Und trotzdem hat der Mensch auch heute nur zwei Füße, mit denen er den Dingen nachgehen könnte, und zwei Hände zum „Handeln“. Die Lebensspanne ist zwar länger geworden – und doch viel zu knapp, um all das Erfahrene tatsächlich zu erfassen. Der Lichtkreis der Kerze leuchtet das Naheliegende aus. Nur dieses. Aber das ist schon viel. Vielleicht schwingt eine Sehnsucht nach einer verlorenen Lebensqualität mit, dass man – für eine Weile wenigstens – die grellen aufdringlichen Lichter ausknipst, um im Lichtkreis einer Kerze dem suchenden Herzen Ruhe zu gönnen. Was nützt das Wissen um die ganze Welt, wenn man doch die Verantwortung darum nicht tragen kann? Dieses kleine Stück Welt ganz wahr-zunehmen, die Gedanken zu ordnen in diesem Schein, das schenkt Kraft – nicht zum Tragen der ganzen Welt, aber doch des einen und anderen Stücks davon.