Menschenrechtsexperte Manfred Nowak war sechs Jahre lang UNO-Sonderberichterstatter über Folter. In seinem neuen Buch gibt er Einblicke über katatrophale Zustände weltweit. Auch in Österreich dokumentierte er Folterfälle.
Mit den „Schattenseiten der Menschenrechte“ beschäftigt sich Manfred Nowak seit vielen Jahren. Nun hat er die Erfahrungen seiner sechsjährigen Mission als UNO-Sonderberichterstatter über Folter von 2004 bis 2010 niedergeschrieben. „Es war für mich ein Prozess, mir das Ganze von der Seele zu schreiben“, sagt der 62-jährige Jurist. „Nicht gerade erfreulich“ sind seine Schlussfolgerungen. In 17 von 18 Ländern hat er Folter vorgefunden – außer in Dänemark – etwa in China, Äquatorialguinea und Nigeria, wo routinemäßig gefoltert wird; oder in Österreich, wo Folterfälle vereinzelt vorkommen. „In Nigeria bin ich mit Folteropfern zusammengekommen, wo der Arzt meines Teams gesagt hat, die Leute gehören sofort operiert, sonst sterben sie. Ich habe dann Druck ausgeübt, damit sie ins Spital gebracht werden. Das ist in diesem Fall gelungen, trotzdem haben nicht alle überlebt. Wenn die Behörden meinem Druck nicht nachgegeben hätten, dann hätte ich nichts tun können. Das ist schwer zu ertragen.“ Generell sei die Situation der Häftlinge weltweit katastrophal, so Nowak. „Die Zellen sind überfüllt, die hygienischen Bedingungen verheerend. Es herrscht eine globale Gefängniskrise“.
Weltgerichtshof. Manfred Nowak ist gebürtiger Bad Ausseer, lebt seit 1969 in Wien, ist verheiratet und hat zwei Kinder. 1992 war der Professor für Internationales Recht und Menschenrechte an der Universität Wien Mitbegründer des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte in Wien, das er seither leitet. Seiner Meinung nach ist es Zeit, einen Weltgerichtshof für Menschenrechte einzurichten. Sein Konzept dazu steht bereits.
- Buchtipp: „Folter. Die Alltäglichkeit des Unfassbaren.“ von Manfred Nowak. Verlag K&S, € 22.