Zu abgenutzt, aus der Mode gekommen, oder einfach weil es nicht mehr gefällt. Ein neues muss her! Beim Taschenmesser macht man es so, beim Hemd, bei den Möbeln auch. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2013/01, Schuld, Schulden, Vergebung, neues Jahr
Zu abgenutzt, aus der Mode gekommen, oder einfach weil es nicht mehr gefällt. Ein neues muss her! Beim Taschenmesser macht man es so, beim Hemd, bei den Möbeln auch. Und jetzt kommt ein neues Jahr daher. Doch das alte lässt sich nicht so einfach abstreifen wie ein löchrig gewordener Pullover. Man muss es auch nicht – Gott sei Dank. Auch mit einem neuen Kalender ist man doch der alte Mensch. Das neue Jahr birgt das ganze bisher Gewordene, auch die Schrammen der Vergangenheit, in sich. Noch einmal darf man versuchen, neu damit umzugehen, sein Leben reicher werden zu lassen mit dem, was kommt. Der Christenglaube ist ein „anfangsfreudiger“ Glaube. Immer wieder ist Neubeginn möglich. Die alten Erfahrungen werden nicht einfach entsorgt. Nur eines kann und darf der Mensch zurücklassen: die Schuld. „Vergib uns unsere Schuld“, beten Christen – und wenn man es ernst nimmt, bedeutet dies: Man muss nicht „verschuldet“ in das neue Jahr gehen. Unsere Zeit tut sich schwer im Umgang mit Schuld, ist stärker im Schuldzuweisen und Verurteilen. Es gibt Vergebung. Auch: Ich kann vergeben. Das ist eine der kostbarsten Perlen des Glaubens.