Wenn man die Lebensdauer eines Christbaums anschaut, wird man den Gedanken an Verschwendung nicht los. Vergangene Generationen haben für dieses Problem eine hervorragende Lösung gefunden. Bevor meine Großmutter ihren Christbaum entsorgte, hat sie die Spitze abgeschnitten, bis knapp unter die erste Astreihe. Sie hat die seitlichen Äste gekürzt, das gesamte Holzstück sauber geschält – und fertig war ihr Küchenwerkzeug: ein Sprudler. So hat ihr Baum, zumindest ein kleines Stück davon, über die Weihnachtszeit hinaus gute Dienste geleistet. Ich hatte ihre Sprudler ganz vergessen gehabt, bis heuer unser Nachbar bei einem Adventmarkt solche Quirle anbot. In Erinnerung an meine Oma wollte ich aus unserem Christbaum heuer auch einen Quirl produzieren. Leider muss ich „wollte“ sagen. Als wir beim Schmücken des Baums die goldene Spitze auf den Wipfel setzen wollten, war dieser zu lang. Mit der Baumschere schnitt ich ein ordentliches Stück ab – als es in hohem Bogen durch das Wohnzimmer flog, war es zu spät. Blitzartig wurde mir klar, dass ich soeben den Sprudler zerstört hatte. Denn die verbliebenen fünfzehn Zentimeter bis zur ersten Astreihe sind für den Stiel zu kurz. Jetzt heißt es, ein Jahr warten. Schade.