Der Führerschein gehört für viele Jugendliche einfach zum Leben
Sieben von zehn Führerscheinneulingen erwerben ihren Schein vor dem vollendeten 18. Lebensjahr. Ein guter Trend? Wir sprachen mit Sebastian Rappl, dem Vorsitzenden der Katholischen Jugend OÖ.
Man kann jetzt noch früher – ab 15,5 Jahren – die Ausbildung für den Führerschein beginnen. Ein guter Trend? Sebastian Rappl: Für Jugendliche bedeutet das eine Entlastung in der Führerscheinausbildung und die Möglichkeit, den L17 mit der ersten Stufe der Motorradausbildung zusammenlegen zu können. So bieten sich ihnen neue Chancen, was ich als eine positive Entwicklung erachte. Die Chance, den Führerschein schon früher zu machen, wird in ländlichen Gebieten mehr Bedeutung haben als in der Stadt. Für Jugendliche ist es wichtig, dorthin zu kommen, wo sie hinwollen, und das ist in der Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln bedeutend einfacher.
Stellen sich junge Leute genügend die Frage, ob sie überhaupt mit dem Auto unterwegs sein wollen? Wenn es darum geht, den Führerschein zu machen, wird diese Frage sicherlich bei nur wenigen jungen Menschen berücksichtigt werden. Mit dem Älterwerden wird aber auch diese Frage zunehmend an Bedeutung gewinnen und auch die Wertigkeit wird sich verschieben. Der Führerschein gehört zum Lebenslauf selbstverständlich dazu und wird gemacht, sobald man ihn sich leisten kann oder braucht, zum Beispiel für Fahrten an den Arbeitsplatz.
Sind Motorrad und Auto für das Prestige unverzichtbar? In erster Linie geht es darum, unabhängig zu werden und nicht auf andere angewiesen zu sein, um ans Ziel zu kommen. Je nach Milieu ist das Fahrzeug mehr oder weniger stark Prestigeobjekt.
Was braucht es an Verkehrspolitik für die Zukunft? Die große Herausforderung ist es, Jugendlichen zu ermöglichen, die gewünschten Wegstrecken zurückzulegen. Einen nachhaltigen Lebensstil zu fördern, ist insgesamt Aufgabe der Verkehrspolitik. So müssten die Bahnlinien ins Kremstal und ins Untere Mühlviertel ausgebaut werden, preisgünstige Österreich-Tickets für alle Verkehrsmittel und die Förderung der Entwicklung neuer und umweltschonender Antriebstechnologien sind ebenfalls notwendig.
- Führerscheinland. In Oberösterreich werden mit ca. 17.800 Neuausstellungen jährlich die meisten Führerscheine in ganz Österreich ausgestellt, vor den bevölkerungsreicheren Ländern Wien und Niederösterreich. Ein Viertel der Führerscheine werden mit der L17-Ausbildung erworben.