Gefeiert wird mein Namenstag in meiner Familie nicht wirklich. So begann ich erst spät, mich mit meinen Namenspatronen auseinanderzusetzen. Rainer (14. 1.), ein Einsiedler aus der Nähe von Osnabrück, weihte sein Leben der Buße und Selbstkasteiung und öffnete seine Klause erst, um die Sterbesakramente zu erhalten. Dagegen Sebastian (20. 1.). Als Hauptmann am Hof Diokletians bekannte er sich zum Christentum und wurde deshalb vom Kaiser vor ein Erschießungskommando gestellt, welches er jedoch überlebte, nur um nach seiner Genesung abermals seine Liebe zu Christus zu bekräftigen. Erneut zum Tode verurteilt wurde er – diesmal „erfolgreich“ – hingerichtet. Einer der Welt und seinen Wundern zugewandten Person wie mir war der leidenschaftliche, mutige Sebastian immer näher als der sich allem Schönen entsagende Rainer. Ich identifizierte mich immer mehr mit romantisch-mutigen Helden, die für ihre Überzeugungen einstehen, als mit schaurig-düsteren Asketen.