Allenthalben wird einem gedankt: beim Ausgang des Geschäftes für den Einkauf, im Pfarrblatt für das Schmücken der Kirche, an der Baustelle für das Verständnis für Unannehmlichkeiten. Selbst der Vortragende hat es schriftlich auf die letzte Folie seiner Powerpoint getippt: „Danke für Ihre Aufmerksamkeit“. Eine dicke Aura schriftlicher Dankbarkeit umgibt einen, sie funktioniert automatisiert und man entkommt ihr nicht. Wie es die Scheinheiligkeit gibt, so gibt es auch die Scheindankbarkeit. Es steht eben doch keiner beim Ausgang, der sich persönlich für den Einkauf bedankte, und an der Autobahnbaustelle weiß kein Mensch, dass man eben vorbeigefahren ist. Die Dankbarkeit ist nur aufgedruckt. Eine Sache der Technik, eine Art Falschgeld der Höflichkeit. In Wirklichkeit ist gar keiner da, der Dankbarkeit empfände. Vielleicht sollte man ein wenig sparsamer sein mit dem automatisch vervielfältigten Danken, das doch nur zum Ausdruck bringt, dass man sich für den Einzelnen keine Zeit nehmen wollte. Und vielleicht sollte man dafür großzügiger sein, es wirklich zu tun – in echter Begegnung. Dort wird sie wertvoll. Sollte ich je erfahren, dass Sie diese Zeilen zu Ende gelesen haben, ich werde Ihnen persönlich danken.