KiZ-Solidaritätspreisträger (2012) Carlo Neuhuber aus Steinbach an der Steyr ist für seine zeitgemäße Glaubensverkündigung bekannt. Sein jüngstes Projekt: zu einzelnen Personen gehen und mit ihnen über ihren Glauben reden. Die Rückmeldungen sind überraschend.
„Wir haben in den Pfarren so viel damit zu tun, dass wir das Kirchenjahr bewältigen, dass wenig Zeit bleibt, zu den Menschen zu gehen“, erlebt Regionaldiakon Carlo Neuhuber – und nicht nur er in seinem pastoralen Alltag. Um Missverständnissen vorzubeugen, betont er nachdrücklich den Wert der Pfarren: „Sie sind eine gute Grundstruktur, aber wir müssen sie um eine Gehstruktur ergänzen.“ Nicht sammeln, sondern hören. In Steinbach hat er mit einigen Mitgliedern des Pfarrgemeinderats-Fachausschusses „Verkündigung“ begonnen, Menschen zu besuchen und mit ihnen über den Glauben zu reden. „Wenn wir von der Pfarre aus in die Häuser gehen, dann zumeist, um für eine Renovierung oder die Orgel zu sammeln“, sagt er. Niemand wird überfallen, sondern er fragt einfach, ob er kommen darf – Kirchgänger oder nicht, spielt keine Rolle. Selbstverständlich gibt es Leute, die nicht sprechen wollen – für Neuhuber kein Problem, aber die allermeisten freuen sich. „Ich will dabei nichts verkaufen und zu nichts einladen. Ich will nur zeigen, dass ich mich für das interessiere, was ihr Leben trägt.“ Mit ganz einfachen Fragen kommt das zur Sprache: Was verbindest du mit dem Wort Gott, welchen Namen gibst du ihm? Kannst Du mit dem Gebet etwas anfangen? Erst die letzte Frage bezieht sich auf die Kirche: Würde dir etwas fehlen, wenn es die Pfarre nicht gäbe? Viele der Gesprächspartner/innen Neuhubers sind erstaunt und erfreut: „Noch nie bin ich nach meinem Glauben gefragt worden!“ Regionaldiakon Neuhuber hält diese Gespräche für einen Weg in die Zukunft der Kirche: an den Sorgen, Leiden und Freuden der Leute Anteil zu nehmen.
Hürden überwinden. Das Gesprächsangebot ist nicht nur für die Pfarrbevölkerung neu, auch für die Fachausschussmitglieder. Manche fühlen sich dazu nicht in der Lage. Da es auch andere Aufgaben gibt, ist das kein Problem. Einige üben mit Neuhuber, diese Gespräche zu führen. „Es ist noch ein ganz kleines Pflanzerl, aber in diese Richtung möchten wir weitergehen.“ Er ist überzeugt, dass auf lange Sicht dadurch eine gute Basis entsteht, wo der Glaube zum Wachsen kommt. Glaubensfreude entdecken. Für ihn selbst ist der Glaube das Geschenk seines Lebens: „Weil ich auch ein Vorher kenne, weiß ich, wie wertvoll der Glaube ist. Gläubige Menschen haben genauso Sorgen und Probleme, aber ich weiß mich von Gott wirklich und tief geliebt.“ Mit Glaubensseminaren und Cursillo-Wochenenden in der Region des Steyr-, Krems- und Ennstales möchte er dazu beitragen, dass viele andere Menschen die Freude am Glauben entdecken können. Rund um Carlo Neuhuber ist immer Jahr des Glaubens.