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Die Hoffnung auf „radikale Gnade“

Ungerechtigkeit, Hadern und Gottestreue: das ist „Hiob“. Die Schauspielerin Andrea Eckert über Erfahrungen des Leids und ihre Hoffnung: Am 19. April ist sie mit „Hiob“ und Thomas Bernhards Psalmen im Stadttheater Gmunden bei einem Konzertabend mit dem Merlin Ensemble zu erleben.
Ausgabe: 15/2017
11.04.2017
- Das Gespräch führte Elisabeth Leitner
Von Leid, Ungerechtigkeit und Hoffnung erzählt der biblische Text „Hiob“. Wann kamen Sie erstmals mit Hiob in Berührung?
Andrea Eckert: Die Figur des HIOB ist mir zum ersten Mal durch den Roman von Joseph Roth nahegekommen. Ich erinnere mich, ich war durch die Lektüre so tief erschüttert, dass ich das Buch oft beiseitelegen musste, da ein weiteres Unglück des Hiob über meine Kräfte als junge Leserin ging. – Vielleicht geht auch ein Verständnis des alttestamentarischen Textes HIOB über meine seelischen Möglichkeiten. Was löst „Hiob“ in Ihnen aus?
Eckert: Die Geschichte eines Menschen, dem von Gott alles genommen und das Schlimmste angetan wird – bis zum Verlust der eigenen Kinder –, nur um seine offensichtlich gelebte Gottesfürchtigkeit auf die Probe zu stellen, ist im Grunde nicht zu ertragen. Sie ist auf den ersten Blick empörend, grausam und so wenig zu verstehen, wie eine göttliche Dimension zu verstehen ist: Sie ist wohl nur zu erfahren. Denn da geht es um andere Kategorien, denen sich Thomas Bernhard in seinen Verzweiflungspsalmen anzunähern weiß. Was löst die Erfahrung des Leids bei Ihnen aus?
Eckert: Als mein über alles geliebter Groß­vater, die Personifizierung des Wortes Güte, eines qualvollen Todes starb, beschloss ich als Kind, dass es auf Erden keine Gerechtigkeit geben könne. Ich empörte mich gegen den sogenannten „lieben Gott“, der all dies zuließ, das ich nicht akzeptieren konnte. Und dieses Gefühl von Ohnmacht und Wut habe ich immer noch, wenn ich sehe, welches Leid Menschen von Menschen angetan wird. Bernhards Psalmen drücken große Verlorenheit, aber ebenso Trost und Zuversicht aus. Worauf hoffen Sie?
Eckert: Hilflos, verlassen und verloren, so sind wir wohl inmitten von all dem, wenn wir nicht wie Hiob die Kraft besitzen, trotz allem an unserem Glauben einer Existenz Gottes festzuhalten. An Gott, der – so heißt es – alles dies wusste und der – so heißt es – alles dies wollte! Kein Satz wird in der Bibel so häufig gebraucht wie „Fürchte dich nicht!“ – „Fürchtet euch nicht!“. Daher denke ich: Wir wissen nichts, aber wir müssen hoffen, das Universum sei radikale Gnade. Was erwartet die Besucher/innen an diesem besonderen Abend mit Hiob, Thomas Bernhard, dem Merlin Ensemble und Ihnen?
Eckert: Die Lesung des alttestamentarischen Textes HIOB, kombiniert mit den Verzweiflungsrufen von Thomas Bernhard und ver­sehen mit der schönsten Musik, die man sich nur vorstellen kann, gleicht einer tiefen Meditation, in die ich mich Hand in Hand mit den Zuhörern versenke und aus der wir gemeinsam nach dem unergründlichen Zwiegespräch von Gott und Hiob hoffentlich unbeschadet wieder auftauchen. – Ich sage: hoffentlich, denn auch wenn unsere Veranstaltung genauestens geprobt ist und nichts dem Zufall überlassen wird, ist sie doch eine riskante Wanderung über ein spirituelles Minenfeld, bei der uns die Musik Orientierungshilfe ist und die Kunst des wunder­baren Merlin Ensembles Kraft und Trost spenden wird. - Hiob, Konzert mit Lesung, Mi., 19. April, 19.30 Uhr, Stadttheater Gmunden: Andrea Eckert und Merlin Ensemble, Salzkammergut Festwochen, Karten: Tel. 07612/706 30.
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